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Blick in die Prüfpraxis
 

Sex and the City - im Vorabendprogramm?

Am 12. Juli 2006 startete der Sender ProSieben die Wiederholung der Serie Sex and the City im Vorabendprogramm. Konkreter Sendeplatz war wochentags um 18.00 Uhr.
Bereits im Vorfeld der Ausstrahlung hatten die FSF-Hotline zahlreiche Anfragen und Beschwerden erreicht, was vielen verständlich sein wird, die die Serie in der Originalfassung kennen. Schließlich geht es in den insgesamt 94 Folgen ganz wesentlich um alle Fragen rund um das Beziehungs- und Sexualleben der vier New Yorker Protagonistinnen, und es ist Teil des inhaltlichen Konzeptes, dass die vier Frauen ihre Beziehungserlebnisse und wechselnden Partnerschaften schonungslos kommentieren und sich sehr direkt bis vulgär über Sexualität austauschen.

Wie geht der Jugendschutz mit der Serie um?

Seit langem sind sowohl die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) im Rahmen der DVD-Auswertung mit der Serie befasst wie auch die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), deren Ausschüsse bereits 2002 mehrere Episoden begutachtet hatten. Auch seinerzeit, als die Serie noch im Hauptabendprogramm ausgestrahlt wurde, war die Tagesprogrammierung beantragt, wurde aber in der Mehrheit der Fälle verwehrt und stattdessen die Platzierung im Hauptabendprogramm (20.00–22.00 Uhr) entschieden. Eine Ausnahme stellten Folgen dar, denen die Prüferinnen und Prüfer einen diskreteren Umgang mit dem Thema Sexualität bescheinigten und in denen nicht allein Sex im Mittelpunkt steht – in dieser Hinsicht gibt es zwischen den Folgen zuweilen große Unterschiede. Werden in manchen Folgen Beziehungsfragen oder Verliebtheiten in den Vordergrund gerückt oder andere Themen wie "Sterben" oder "gesellschaftliche Ächtung" behandelt (z. B. in Vier Frauen und ein Todesfall, Eps. 17), geht es in anderen stärker um Sex.
Vielfach sprachen nach Ansicht der Prüfausschüsse die Dichte sexueller Themen und die drastischen Verbalisierungen gegen eine Ausstrahlung im Tagesprogramm. Entsprechend wurden diese Folgen vom Sender ProSieben bearbeitet und der FSF erneut zur Prüfung vorgelegt. Auch bei der FSK wurden bearbeitete Fassungen als Neuvorlage eingereicht, um eine Freigabe ab 12 Jahren zu erhalten, mit der eine Ausstrahlung im Tagesprogramm prinzipiell möglich ist, sofern – der Vorgabe im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) entsprechend – dem Wohl jüngerer Kinder Rechnung getragen wird.

Von den 94 Serienfolgen haben inzwischen 54 Episoden der FSF zur Prüfung vorgelegen. 44 Folgen wurden für das Tagesprogramm freigegeben. Ganz überwiegend handelt es sich hierbei um Schnittfassungen, die z. T. erst nach der zweiten Bearbeitung und Neuvorlage, nach weiteren Schnittauflagen durch die FSF und/oder erst in zweiter Instanz die Freigabe erhielten. Eine Episode ist auch nach mehrfacher Bearbeitung nicht für das Tagesprogramm geeignet gewesen: Die Episode Models und Menschen, in der ein Mann die sexuellen Begegnungen mit seinen Eroberungen filmt, wurde von der FSF in jeder Fassung erst für das Hauptabendprogramm entschieden und in der aktuellen Wiederholung vom Sender nicht gezeigt. Die anderen 9 Episoden, bei denen die FSF eine Ausstrahlung im Tagesprogramm abgelehnt hatte, wurden in gekürzter Fassung bei der FSK eingereicht und ab 12 Jahren freigegeben. Hier liegt es in der Verantwortung des Senders, darauf zu achten, dass dem Wohl jüngerer Kinder Rechnung getragen wird.

Die FSF hat die jüngste Ausstrahlung begleitet, die Durchführung der Schnitte überprüft und die Folgen, die ihr nicht zur Prüfung vorgelegt wurden, gesichtet. Auch die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) prüft nach Ausstrahlung die Einhaltung der Bestimmungen des JMStV.

Nach knapp 4 Wochen ist die Sendung wegen zu geringer Quote wieder aus dem Programm genommen worden. Am Freitag, den 4. August 2006 wurde vorerst die letzte Folge von Sex and the City auf dem Sendeplatz im Vorabendprogramm ausgestrahlt.

Unabhängig hiervon und vom Ergebnis der Überprüfung im Nachhinein richteten sich viele Zuschaueranfragen auf die Gründe für die jeweiligen Entscheidungen und die Argumentation unter Jugendschutzgesichtspunkten: Wie ist die Art und Weise, in der die Serie das Thema Sexualität behandelt, mit Blick auf Kinder zu bewerten? Was verstehen Kinder von den Dialogen der Erwachsenen und von der serienimmanenten Ironie? Inwiefern können die Figuren und auf Sexualität fokussierten Geschichten die eigene sexuelle Entwicklung beeinflussen? Welche Argumente sprachen für, welche gegen eine Ausstrahlung im Tagesprogramm?

Um diesen und anderen Fragen mit größtmöglicher Transparenz zu begegnen, werden im Folgenden exemplarische Auszüge aus verschiedenen Prüfgutachten zu bestimmten Fragen wiedergegeben. Die Passagen eröffnen einen Einblick in die FSF-Spruchpraxis zur Serie Sex and the City, die – wie ihr Gegenstand – nicht immer einheitlich und in Einzelfällen durchaus auch kontrovers ist.

Fazit:

Sollten Sie weitere Fragen haben oder uns Ihre Meinung zur Prüfung der Serie mitteilen wollen, schicken Sie uns bitte eine E-Mail, Betreff: SATC. (Bitte ersetzen Sie in Ihrem Mailprogramm [at-Zeichen] durch den Klammeraffen @!)

 

Worum geht es in SATC?

Bei Sex and the City handelt es sich um eine erfolgreiche US-Comedy-Serie, die das Leben von vier New Yorker Singlefrauen thematisiert. Ganz wesentlich geht es dabei um alle Fragen rund um das Beziehungs- und Sexualleben der Protagonistinnen. Im Mittelpunkt steht die Journalistin Carrie, die in jeder Folge ein zentrales Beziehungsthema zur Debatte stellt, das sie dann auch journalistisch in ihrer Gesellschaftskolumne verarbeitet. Neben ihr sind ihre Freundinnen Charlotte, Miranda und Samantha die zentralen Figuren der Serie. Ihre Beziehungserlebnisse auf der Suche nach dem richtigen Mann stehen im Mittelpunkt der Handlung und werden bei regelmäßigen Treffen schonungslos kommentiert. Die Erlebnisse der vier Frauen dienen als Ausgangspunkt für eine publikumsattraktive Reflexion beziehungsrelevanter Aspekte und differenzierter Varianten eines auf unterschiedliche Weise ausformulierten Sexuallebens.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 26: Einer fürs Bett; Schnittfassung Tagesprogramm)

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Die Zielgruppe von SATC und Umgang von Kindern mit dem Angebot

Die Serie Sex and the City genießt Kultstatus bei der Zuschauergruppe, die in etwa das Alter der Film-Single-Frauen besitzt, die sich wie Raubtiere im Dschungel der Großstadt gebärden und doch ständig auf jemanden warten, der sie lebenslänglich zähmen kann, ohne dass sie ihren Raubtiergeruch verlieren. Dieses Bemühen ist von zahllosen Affären und oft niederschmetternden Folgen und Erkenntnissen gesäumt, die im Single-Tratsch mehr oder weniger solidarisch durchgehechelt werden und Carrie den unerschöpflichen Stoff für ihre Sex-Kolumne bieten. Alle Frauen sind zwischen dreißig und vierzig, erfolgreich im Beruf und verkörpern ein emanzipiertes Frauenbild, das für komödiantische Rückfälle in sämtliche Rollenklischees offen bleibt. Reizvoll für den treuen Zuschauerstamm sind vor allem die Dialoge der Frauen, in denen Tabubrüche um das immerwährende Reizthema „Sex“ eher zum Tragen kommen als auf der bildlichen Ebene. Auch nostalgische Nichtsingles, emanzipierte Männer und ein wissbegieriges jugendliches Publikum sind unter den Comedy-Fans zu finden. Die Serie behandelt Probleme der Erwachsenen und ist in einer Comedy-Sprache für Erwachsene erzählt. Für jüngere Kinder bieten die zahlreichen Dialoge ohne Action kaum einen Anreiz, in eine dieser Folgen einzusteigen und dann auch bis zum Ende der Handlung zu folgen. Der Humor erschließt sich dieser Altersgruppe nicht, da er von Anspielungen und indirekten Bildern lebt, für die Kinder nicht genügend Lebenserfahrung besitzen. Für ältere Kinder im vorpubertären Alter, die von der Serie bestimmt schon gehört haben, könnte hier schon eher ein Anreiz bestehen, das für ihre Entwicklung spannende Thema Sex zu verfolgen. In vielen Episoden tauchen Fragen auf, wie sie auch bei "Dr. Sommer" in der BRAVO angesprochen werden, nur etwas lebensnäher und nicht ganz so bierernst und bieder in der Behandlung.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 3: Ehe-Kriege Tagesprogramm)

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Jugendschutzrelevante Aspekte

Einziges Wirkungsrisiko, das der Ausschuss in Bezug auf die Freigabe der Platzierung im Tagesprogramm als notwendig zu diskutieren ansah, war das der sozialethischen Desorientierung, denn auch die vorliegende Folge befasst sich mit Sexualität und zwar in serientypischer Weise nicht ohne einen gewissen Sarkasmus.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 89: Zeitgefühl; Tagesprogramm)

Die Ausrichtung auf eine mehr oder weniger in partnerschaftliche Beziehungen eingebundene Sexualität, eine unvermittelt drastische Wortwahl sowie die ausführliche Erörterung und verbale sowie mitunter auch bildliche Darstellung sexueller Erlebnisse sind konstitutiv für die Serie. Offen werden partnerschaftliche und sexuelle Probleme erörtert, wobei eine gewisse vulgäre Wortwahl die Protagonistinnen kennzeichnet. Daneben kann aber auch die Debatte allgemeiner Beziehungsfragen, verbunden mit einer nahezu gesellschaftsanalytischen Ausrichtung, als zentrales Moment der Serie benannt werden.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 26: Einer fürs Bett; Schnittfassung Tagesprogramm)

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Thematisierung von Sex und Beziehungen

Grundsätzlich ist nicht davon auszugehen, dass Programme mit sexuellen Inhalten sich per se beeinträchtigend oder schädigend für jüngere Zuschauer auswirken. Die Wirkungsforschung hält diesbezüglich keine eindeutigen Aussagen bereit, doch kann eine bloße Thematisierung von Sexualität nach Ansicht des Ausschusses nicht als nachhaltig schädlich für Kinder bzw. jüngere Jugendliche eingeschätzt werden, solange sie nicht vulgär ist und so lange keine negativen bzw. sozial irritierenden und für die eigene sexuelle Entwicklung abträglichen Klischees und Rollenstereotypen transportiert werden.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 18: Neues Spiel, neues Glück; Schnittfassung Tagesprogramm mit Schnitt)

In der Gesamtschau kamen die Mitglieder der Prüfkommission zu der Auffassung, dass zwar in allen Folgen Sexualität eine Rolle spielt aber nicht explizit in Szene gesetzt ist und vorwiegend nicht auf der bildlichen sondern auf der Dialogebene abgehandelt wurde. Diese bleibt für Kinder schwer verständlich und bietet damit wenig Anlass, eine Übernahme von Rollenmustern zu befürchten. In allen Episoden nehmen Beziehungsprobleme und Fragen nach dem Lebenssinn eine größere Rolle ein, so dass nicht der Eindruck einer ausschließlich auf Sex fixierten Gesellschaft entsteht.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 3: Ehe-Kriege; Tagesprogramm)

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Vulgäre Sprache

Auf der verbalen Ebene gibt es zwar immer wieder gewisse Vulgarismen und zotige Zuspitzungen, doch es ist zu bezweifeln, dass Kinder dies entschlüsseln können. Selbst wenn einzelne Begriffe aufgeschnappt werden sollten, lässt sich daraus keine nachhaltige Entwicklungsbeeinträchtigung ableiten. Die angesprochenen problematischen Formulierungen werden bildlich kaum umgesetzt und unterfüttert. Als dominierender Eindruck bleibt im Großen und Ganzen die Vorstellung von positiven und selbstbewussten Frauen, die sich gegenseitig Halt geben und in ganz natürlicher Weise mit diversen Lebensproblemen zu kämpfen haben.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 71: Plus eins ist die einsamste Zahl; Tagesprogramm mit Schnitten)

Auf der reinen Dialogebene herrscht ein flapsiger Tonfall vor, der zwar mit einigen Kraftausdrücken durchsetzt ist ("... Also hast du ihn wieder zurück ins Leben gevögelt?"), nie aber das Niveau dessen verlässt, was auch in Nachmittags-Talkshows oder im "realen Alltag" stattfindet
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 17: Vier Frauen und ein Todesfall; Tagesprogramm)

Zudem wird immer dann, wenn nicht ironisch-humorvoll, sondern ernsthaft über Sexualität geredet wird, eine ganz "normale" Sprache verwendet ("mit ihm schlafen").
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 31: Wo Rauch ist …; Tagesprogramm mit Schnitten)

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Botschaften und Rollenvorbilder

Die Mehrheit im Berufungsausschuss sah auch nicht die Gefahr, dass die vier Protagonistinnen von sehr jungen Zuschauern als faszinierende, nachahmenswerte Identifikationsfiguren wahrgenommen werden und sexualethisch desorientierende Vorstellungen oder Verhaltensmuster transportieren könnten. Dagegen spricht die deutlich realitätsferne amerikanische Erwachsenenwelt der Reichen und Schönen, die zwar sexuell geprägten, aber gerade deshalb für Kinder deutlich unter 12 Jahren ziemlich lebensfremden und zum Teil unverständlichen Beziehungsprobleme von vier Frauen Ende dreißig und schließlich die Tatsache, dass die vier Hauptdarstellerinnen keine einheitlichen Ansichten und Verhaltensmuster transportieren, sondern ganz individuelle Facetten im Pro und Contra der jeweiligen Filmfragestellung abliefern und ihr persönliches Verhalten, das noch dazu ironisch überhöht ist, somit keine einheitliche Orientierung oder Desorientierung bietet.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 1: Sex wie ein Mann; Schnittfassung Tagesprogramm)

Klischees werden deutlich karikiert und immer wieder gebrochen. Bei aller Promiskuität suchen die Frauen immer wieder nach ihrem "Mr. Right", der aber offenbar sehr schwer zu finden ist. Es werden vor allem Beziehungsgeschichten erzählt, bei denen allerdings auch die sehr menschlichen und mitunter unangenehmen Details körperlicher Begegnung angesprochen werden.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 3: Ehe-Kriege; Tagesprogramm)

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Humor- und Ironieverständnis von Kindern

Generell sind auch für ältere Kindern viele Anspielungen und Tabubrüche schwer zu decodieren, da sich Comedy meist über ein Selbstverständnis aus Lebenserfahrung mit Wiedererkennungswert erschließt. Sie können sich über das merkwürdige Gebaren der Erwachsenen wundern oder amüsieren, gleichzeitig aber auch Realitätsferne erkennen, die sich aus dem typischen New Yorker Milieu und der übertriebenen Spielweise ergibt.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 3: Ehe-Kriege; Tagesprogramm)

Vieles des dort Dargebotenen dürfte sehr jungen Zuschauern eher befremdlich und unverständlich erscheinen. Noch dazu, weil sich die Suche der Protagonistinnen nach dem Partner fürs Leben in einer für Kinder nur schwer verständlichen permanenten Diskrepanz zwischen den Ansprüchen der vier Frauen und der Realität entwickelt, mit vielen ironischen Selbstreflexionen und mit sehr schnell gesprochenen Dialogen und Monologen, deren eigentlicher Sinn sich Zuschauern um die 7, 8 oder 9 Jahre kaum erschließen dürfte.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 1: Sex wie ein Mann; Schnittfassung Tagesprogramm)

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Argumente für eine Freigabe im Tagesprogramm

Einer sozialethischen Desorientierung steht zunächst die ironische und eindeutig dem Comedy-Genre zuzuschreibende überzeichnete Darstellung des grundlegenden Themas entgegen. Auch wenn Sexualität in zahlreichen Facetten dargestellt und erörtert wird, geschieht dieses doch auf eine ironische und damit in ihrer überzeichneten Form gleichsam realitätsferne Weise. Weder das gezeigte Lebensumfeld, noch die zur Schau gestellte Lebensweise der New Yorker Singlefrauen können zudem unmittelbar im kindlichen Alltag verortet werden, sodass hier auch nicht von einer lebensweltlichen Identifikation ausgegangen werden muss. Die Protagonisten bieten in diesem Sinne keine Vorlage für den Abgleich mit der eigenen Lebenswelt. Sowohl deren Alter als auch deren beruflicher Status sowie der damit verbundene Lebensstil dürften selbst bei Jugendlichen einer Identifikation entgegenstehen; wenngleich die behandelten Themen mitunter durchaus pubertätsrelevant sind.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 26: Einer fürs Bett; Schnittfassung Tagesprogramm)

Wie in der gesamten Serie geht es auch in den vorliegenden Episoden um erotische Fragen und sexuelle Abenteuer der vier Freundinnen. Sie sind auf der Suche nach der für sie richtigen Lebensform und probieren dabei viel aus, ohne dass es sie glücklich macht. Ein bestimmtes problematisches Beziehungsmuster wird dabei nicht propagiert. Ganz im Gegenteil entsteht über weite Strecken der Eindruck, eine monogame, heterosexuelle Partnerschaft oder Ehe sei bei Charlotte offenes und bei den anderen drei Frauen das geheime Ziel der Wünsche. Das Thema Sexualität wird überwiegend in Form verbaler Berichte vermittelt, wobei der Schwerpunkt auf Dialogen der Freundinnen und im Off-Kommentar der Erzählerin Carrie liegt. Die entsprechenden Schilderungen sind nicht übermäßig drastisch, und sie orientieren sich weitgehend an einer auch den Kindern bekannten Alltagsprache. Insgesamt ist es aber so, dass Sex nicht als einziges Thema im Raum steht. Es geht in der Serie um ein weit gefächertes soziales Feld. Berufliche Probleme, Fragen der Gesundheit und des Alterns spielen ebenso eine Rolle wie beispielsweise die Haltung zur Mutterschaft.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 71: Plus eins ist die einsamste Zahl; Tagesprogramm mit Schnitten)

Nach erfolgter senderseitiger Schnittbearbeitung und Entfernung von Passagen, in denen Sexualität sehr drastisch bzw. vulgär thematisiert wird, sind alle drei Episoden auf der verbalen Ebene weitgehend für eine Ausstrahlung im Tagesprogramm geeignet. Die Ausnahme bilden die beiden Passagen, die mit Schnittauflagen belegt wurden. … Nach Ansicht des Prüfausschusses wird hier auf explizite Weise ein starres und übermächtiges sexuelles Rollenbild transportiert (ein Mann ist unzureichend, wenn er nicht über die „richtige“ Penisgröße verfügt). Bei einer Rezeption durch jüngere Zuschauer, insbesondere Jungen, muss daher mit einer nachhaltigen sexualethischen Verunsicherung bzw. Ängstigung gerechnet werden.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 13: Neues Spiel, neuesGlück; Schnittfassung Tagesprogramm mit Schnitten)

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Argumente gegen eine Freigabe im Tagesprogramm

Dabei geht es nicht in erster Linie um Schonräume für Kinder, in denen sie vor der Thematisierung von Sexualität grundsätzlich geschützt werden sollen. Solche Schonräume existieren im Alltag ohnehin kaum, da die sexuelle Versuchung in allen Spielarten, von subtil bis schrill, fest in unsere Kommunikationskultur eingebunden und auch abseits des Mediums Fernsehen medial sehr präsent ist. Das Bedürfnis nach diesem Schutzraum entspricht zudem auch nicht in erster Linie den Interessen der Kinder unter 12 Jahren, sondern eher denen der Erziehenden und auch einem Teil der Pubertierenden, die sich zu ihrer körperlichen Entwicklung verhalten müssen und damit noch überfordert sind. Die vorliegende Episode bleibt für die unter 12-Jährigen und damit für eine Platzierung im Tagesprogramm dennoch auf mehren Ebenen problematisch. Die Protagonistinnen sind nicht so stark und selbstbestimmt wie in vielen anderen Episoden und sehr auf Äußerlichkeiten orientiert. Durch ihren Auftritt vermögen sie nicht, die haarsträubenden Bilder über Männer, Modeljäger und Models zu relativieren. Die schrägen Rollenbilder werden unzureichend relativiert und durch Samanthas Verhalten aufgewertet.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 2: Models und Menschen; Hauptabendprogramm)

Die Ausnahme bildet hier allerdings nach einhelliger Ansicht des Ausschusses die in höchstem Maße abfällige Behandlung des „Problems“ von Samantha, deren Freund einen „zu kleinen“ Penis hat. Die entsprechenden Szenen sind, wie oben erläutert, zu entfernen. Auch hier hatte der Sender bereits mit Schnitten versucht, den zum Teil äußerst groben Umgang mit diesem Thema abzuschwächen, allerdings wurde dies vom Prüfausschuss als nicht ausreichend eingeschätzt.
Die beiden oben genannten Passagen sind geeignet, Kinder, die für die Vermittlung eindeutiger Geschlechtsrollenbilder (und insbesondere die abfällige Degradierung bestimmter körperlicher Merkmale) äußerst anfällig sind, nachhaltig zu desorientieren bzw. in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen.
Indem sich Samantha über den zu kleinen Penis ihres Freundes zum Teil mit großer Verachtung, zum Teil geradezu verzweifelt äußert, wird suggeriert, dass ein solches Körpermerkmal eine für Frauen intolerable Absonderlichkeit darstellt. Unabhängig davon, inwieweit dies der Fall sein mag, wird hier eine für Kinder und Jugendliche, insbesondere für Jungen in der Pubertät und Vorpubertät äußerst problematische und an Körpermerkmalen orientierte Sichtweise von Sexualität vermittelt.
(Auszug aus dem Gutachten zu Eps. 13: Neues Spiel, neues Glück; Schnittfassung Tagesprogramm mit Schnitten)

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