"Der Blick für den Anderen"
Die Rahmenbedingungen
Das
Projekt des Instituts
Jugend Film Fernsehen Berlin Brandenburg (JFFBB) entstand in
Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal Berlin und der Freiwilligen
Selbstkontrolle Fernsehen. "Der Blick für den Anderen"
war Teil des bundesweiten Projektes "D-A-S-H
– für Vernetzung gegen Ausgrenzung". Die Zielsetzung von
D-A-S-H ist es, politisches Engagement und medienpädagogische Kompetenz
zu verbinden und junge Menschen zu aktivieren, sich mit Hilfe der
(neuen) Medien gegen Rassismus und andere Formen der gesellschaftlichen
Ausgrenzung zu engagieren. Das Projekt wurde mit 14- bis 15-jährigen
Schülern einer überwiegend von deutschen und türkischen Schülern besuchten Gesamtschule in Berlin-Kreuzberg
durchgeführt und erstreckte sich über einen Zeitraum von zweimal drei Monaten in den Jahren 2003 und 2004.
Vorgegeben war zu Beginn des Projektes weder das genaue Thema
noch die mediale Umsetzung. Die Schüler sollten vielmehr eigenständig
ein Thema wählen, die Art der Darstellung festlegen sowie
Handlung und Verlauf ihres Films bzw. ihre Fragen selbst
bestimmen. Dadurch sollte die eigenständige Auseinandersetzung mit
dem Thema gefördert werden, aber auch gesichert sein, dass die
Schüler sich mit ihren eigenen Vorstellungen, Vorurteilen und Fremdbildern
beschäftigen.
Das
Projekt entstand unter Mithilfe verschiedener Medienprofis, die
den Schülern bei der Umsetzung ihrer Ideen zur Seite standen. Um
die Medienbeiträge für einen längeren Zeitraum einer größeren Öffentlichkeit
zugänglich zu machen, wurde für deren Präsentation eine eigene Website
entwickelt. Angestrebt wurde, die Website als sinnlich
erfahrbaren Raum zu gestalten, der mit der Lebenswelt der Jugendlichen
in Zusammenhang steht und der eine interessante und ansprechende
Plattform bildet, um die verschiedenen Beiträge zu präsentieren
und zum Ausgangspunkt für Kommunikation und Austausch zu werden.
Um dies zu erreichen, wurde das Projekt zum einen mit einer öffentlichen
Vorführung der Beiträge und zum anderen mit der Bereitstellung der
Medienproduktionen für die Verwendung im Schulunterricht verbunden.
Ein wichtiges Ziel war es, den Jugendlichen ein umfassendes Medienverständnis
zu vermitteln, indem die Medien im Rahmen des Projektes in vielfältiger
Form eingesetzt wurde: als Mittel zur Informationsgewinnung (Interview),
als künstlerisches Ausdrucksmittel (Filmbeiträge), als Kommunikationsmittel
(E-Mail-Einladungen, Flyer), als Mittel, um Öffentlichkeit herzustellen
(Web-Site, Ausstellungseröffnung) und als multimediales Präsentationsmittel
(Internetauftritt).
Projektverlauf
Im Anschluss an die Vorstellung des Projektes in den
verschiedenen Klassen bildeten sich drei Gruppen heraus. Zehn Schüler
einer 8. Klasse, neun Schüler aus verschiedenen 7. Klassen und zwei
Schülerinnen ebenfalls aus einer 8. Klasse.
Die Siebtklässler erhielten die Aufgabe, die Rolle von Vorurteilen
und Fremdbildern sowie verschiedene weitere Aspekte, die sich aus
dem Zusammenleben verschiedener Kulturen ergeben, durch Befragungen
zu untersuchen. Als Anregung erhielten die Schüler mehrere Zeitungsartikel
zu diesem Thema. Jeder Jugendliche wählte einen Artikel aus und
entwickelte ausgehend hiervon verschiedene Interviewfragen. Die
Interviews wurden in drei Gruppen an je einem Nachmittag durchgeführt.
Die Drehorte waren ein U-Bahnhof in der Nähe der Schule, eine Bibliothek
und ein öffentlicher Platz sowie eine Markthalle.
Die beiden befreundeten Mädchen Ayse und Franziska
erstellten ein kurzes dokumentarisches Porträt über ihren Lebensalltag
in einer Jugendwohngemeinschaft und in einer türkischen, religiösen
Großfamilie. Am Anfang dieses Filmprojektes stand die Idee, den
eigenen Lebensalltag vorzustellen sowie die Vorurteile und Schwierigkeiten,
die den beiden darin begegnen. So entstand das Konzept der beiden
Mädchen, sich gegenseitig filmisch zu porträtieren. Nachdem sie
verschiedene filmische Porträts angeschaut hatten, legten sie zunächst
die Oberthemen ihres eigenen Filmes fest, bevor sie sich hierzu
verschiedene Fragen überlegten und schließlich die Drehorte und
mitwirkenden Personen bestimmten. Der Film entstand an zwei Nachmittagen
im Anschluss an die Schule.
Hintergrund für den Kurzfilm "Hey Victor!" der neun Schüler einer
achten Klasse ist ein Mobbing-Fall, der sich in der Klasse der Jugendlichen
ereignet hatte. Im Anschluss an die Idee, darüber einen Film zu
machen, und die Diskussion, wie man in der Schule mit dem Problem
des Mobbings umgehen kann, sollte jeder Schüler eine Mind-Map zu
diesem Thema erarbeiten und ein kurze Geschichte hierzu entwickeln.
Das Drehbuch des Films wurde dann von 2 Schülern geschrieben, während
die Einzelheiten wie Drehorte, notwendige Requisiten, Storyboard
gemeinsam in der Gruppe erarbeitet wurden. Der Film entstand an
fünf Tagen im Anschluss an den Schulunterricht.
2. Projektphase 2004
Wie im Jahr zuvor war auch 2004 das Ziel des Projektes, die Jugendlichen zum einen zu motivieren, sich mit den Themen Fremdbilder und Vorurteile auseinander zu setzen, und zum anderen ihr Medienwissen und ihre Medienkompetenz zu erweitern. Insgesamt gab es in der Projektphase 2004 drei Gruppen, die fünf kurze Filmbeiträge realisierten. Diese werden auf der Homepage des Projektes präsentiert. Drei der Filme beschäftigten sich mit der Frage, wie in den verschiedenen Berliner Bezirken die Erfahrungen in Bezug auf das Zusammenleben verschiedener Kulturen sind, bzw. wie man dieses verbessern könnte. Die Jugendlichen befragten hierzu Passanten in den Bezirken Neukölln, Mitte und Kreuzberg. Anschließend fügten sie am Computer ausgewählte Interviewaussagen zu einem Beitrag zusammen. Die zweite Gruppe nahm für ihre beiden Filme eine andere Perspektive ein: Ihnen ging es nicht um die Vorstellungen und Meinungen anderer Personen, sondern sie wollten etwas über sich selbst und ihren Alltag im multikulturellen Bezirk Kreuzberg erzählen. Sie drehten einen Kurzfilm über „ihren Kiez“ und verfassten einen kurzen Text über sich und ihre Wünsche und Ziele.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit
D-A-S-H ist ein Projekt des JFF München und wird gefördert
vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im
Rahmen des Aktionsprogramms "Jugend für Toleranz und Demokratie
– gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus".
D-A-S-H wird durchgeführt mit der Unterstützung des Programms JUGEND
der Europäischen Gemeinschaft und zusätzlich unterstützt von der
Bundeszentrale für politische Bildung.

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