Vorüberlegungen
Obwohl Informations- und Nachrichtensendungen nicht zu den bevorzugten oder beliebtesten Programmbereichen bei Kindern gehören, sind ihnen viele dieser Sendungen bekannt. Sie werden im Allgemeinen nicht nur von Kindern als Abbild der Wirklichkeit von Ereignissen betrachtet, und ihnen wird ein hoher Wahrheitsgehalt zugesprochen. Informationsprogramme richten sich in der Regel an Erwachsene. Speziell für Kinder produzierte Nachrichtensendungen sind bei ihrer Zielgruppe weniger beliebt, ihnen wird zudem ein geringerer Glaubwürdigkeitsfaktor zugewiesen. Daher sehen sich Kinder, wenn überhaupt, lieber "echte" Nachrichten an, die sie möglicherweise mehr oder weniger bewusst mit den Eltern mitsehen.
Festgestellt werden kann der (noch bestehende) Unterschied zwischen der betont sachlichen Darstellungsform von Nachrichten in der "Tagesschau" (ARD) und den Informationssendungen der privaten Fernsehanbieter, die die Nachrichtenübermittlung in ein Entertainmentkonzept integrieren.
Informationsaufbereitung
Da bei allen Sendern von ähnlichen Zugangsvoraussetzungen zu den jeweiligen Informationsquellen ausgegangen werden kann, aber auch Nachrichtensendungen einer Konkurrenz um Einschaltquoten unterliegen, entscheidet weniger die Wahl der Themen als die Gestaltungsform der Sendung über hohe oder niedrige Zuschauerzahlen.
Die Verbindung von Information und Unterhaltung bei Fernsehnachrichten bietet den Kindern eine vordergründig verständliche Informationsaufbereitung. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass Kinder der Altersklasse 10-12 Schwierigkeiten haben, Fernsehinformationen in ihr bereits bestehendes Wertesystem einzuordnen (Schorb/Theunert). Meist fehlen die dazu notwendigen Hintergrundinformationen, um eine einzelne Nachricht von ihrem Neuigkeits- oder Sensationswert abkoppeln zu können. Die gestalterische Attraktivität bestimmter Erwachsenennachrichten (Musikuntermalung, farbige Grafiken) erweckt zwar größere Aufmerksamkeit, fördert aber nicht die Verstehensleistung der Kinder. So kann eine "logo" -Nachricht mit erklärendem Text von ihnen als langweilig betrachtet werden, obwohl er die Hintergrundinformationen bietet, die andere Nachrichten vermissen lassen.
Zum "Genre" der Nachrichten- und Informationssendungen gehören Nachrichtensendungen wie Tagesschau oder RTL-Aktuell, aber auch Politik- und Informationsmagazine sowie der Bereich des Reality-TV.
In unseren Unterrichtseinheiten beziehen wir uns ausschließlich auf Nachrichtensendungen, da die verwendeten Gestaltungsmittel und das jeweilige Programmprofil der Sender dort besonders deutlich werden. Diese Sendungen berichten zudem nur in geringem Maße über Ursachen und Folgen von Ereignissen.
Lernziele
Von den o. g. Voraussetzungen ausgehend, konzentriert sich der Unterricht auf folgende Aspekte:
- Die Kinder sollen verstehen, wie Nachrichten entstehen und wie Informationen ins Fernsehen kommen.
- Die SchülerInnen sollen erkennen, dass durch Gestaltungsmittel und die Macher der Nachrichtensendung Beeinflussungsmöglichkeiten bestehen, die den Informationsgehalt verändern können.
- Die SchülerInnen sollen erkennen, dass Darstellungs- und Gestaltungsmittel gezielt eingesetzt werden und Bedeutungen und Absichten beinhalten.
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1. UNTERRICHTSSTUNDE
Nachvertonung von Nachrichtenbildern
Ziele der Unterrichtsstunde
Die SchülerInnen können
- Distanzierungsmöglichkeiten bei der Rezeption von Fernsehinhalten weiterentwickeln,
- bildbeschreibende Fertigkeiten beim Formulieren einer präzisen, kurzen und informierenden Nachricht, die an einen Zuhörer/Zuschauer gerichtet ist, entwickeln,
- Unterschiede realer und fiktionaler Fernsehinhalte erkennen.
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Ablauf
- Zu Beginn werden im Unterrichtsgespräch die Unterschiede zwischen Fernsehsendungen, die Geschichten (fiktional) erzählen, und Sendungen, die über das Geschehen auf der Welt (real) berichten, benannt (Tafelbild oder Folie mit der Gegenüberstellung von Beispielen).
- Anhand der Fernsehtagebuchaufzeichnungen wird über die Häufigkeit der Rezeption von Nachrichten- und Informationssendungen gesprochen. Die Gewohnheiten des Informationserwerbs und der Meinungsbildung sollten dabei zur Sprache kommen.
- Erläuterung der Aufgabenstellung: Aufgezeichnete "stumme" Nachrichtenbeiträge sollen von den SchülerInnen mit einem eigenen Sprechertext versehen werden.
- SchülerInnen sehen die Nachrichtenbeiträge ohne Ton.
- Die Aufgabenstellung wird wiederholt, sie sehen den Beitrag erneut und verfassen nun in Einzelarbeit ihren Text.
- Die LehrerIn achtet darauf, dass die Texte der Kinder ungefähr der Länge des Bildbeitrags entsprechen.
- Die Kinder stellen einzeln ihre Texte vor, wobei der Bildbeitrag jeweils parallel dazu abgespielt wird
- Die Authentizität der Kindernachrichten wird hervorgehoben.
- Im Anschluss werden den Kindern die "echten" Nachrichten mit Ton vorgeführt.
- Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden benannt.
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Benötigte Arbeitsmaterialien/Vermittlungshilfen
- Fernsehgerät, Videorekorder
- Geeignete Nachrichtensequenzen, die ohne Ton vorgeführt werden können. Hier bieten sich die üblichen Zusammenfasssungen der Sendungen von "RTL-Aktuell", "heute" (ZDF) oder ähnlichen Sendungen an
- Stoppuhr zur Messung der zu vertonenden Sequenzen
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Erkenntnisse und Hinweise
Zwischen real und fiktional
Im Allgemeinen können die SchülerInnen gut zwischen realen und fiktionalen Sendeformen unterscheiden. Schwierigkeiten hatten sie bei der von uns durchgeführten Stunde bei Sendeformaten wie "taff"(Sat.1), "brisant" (ARD) oder dem gesamten Talkshow-Bereich, dessen Realitätsgehalt nicht eindeutig eingeordnet werden konnte. Die Kinder gingen der Frage nach, ob diese Sendungen mitunter frei erfunden sind. Wir haben diese Frage so offen gelassen, wie sie unserer Meinung nach ist. In diesem Zusammenhang führten wir den Begriff "Boulevardmagazin" ein.
Nachrichten sind nicht sehr beliebt – werden aber gesehen
Die Diskussion über Nachrichten- und Informationssendungen ergab, dass ein unterschiedlich ausgeprägtes Interesse an diesen Sendungen besteht. Die Mehrzahl der SchülerInnen war "davon genervt", dass es "... sowieso nur um Kriege, Verbrechen oder die blöde Steuerreformen geht". Doch auch die weniger interessierten SchülerInnen schauten sich regelmäßig Nachrichtensendungen an. Dabei bestätigte sich, dass die Kinder ihr Meinungsbild zum Weltgeschehen häufig über das Fernsehen bzw. über die Meinungen und Informationen ihrer erwachsenen Bezugspersonen entwickeln. Zahlreiche aktuelle Nachrichten waren ihnen bekannt und wurden als Tatsachen akzeptiert.
Wir verwiesen an dieser Stelle darauf, dass diese Sendungen (ebenso wie jene aus den fiktiven Genres) bewusst gestaltet und veränderbar sind. Damit war der Übergang zur praktischen Übung geschaffen.
Jede/r ist ein überzeugender Nachrichtensprecher
Die Aufgabenstellung verlangte von den SchülerInnen, einen Nachrichtentext zu formulieren, der zu den vorgegebenen Bildsequenzen passen könnte. Als sie ihre Formulierungen mit denen ihrer MitschülerInnen verglichen, wurden inhaltliche Differenzen deutlich, obwohl alle Texte eine vorstellbare Verbindung zu den Bildern darstellten. Allein dadurch konnten sie die Subjektivität der visuellen Wahrnehmung auch in diesem Fernsehgenre erfassen. Besonders klar wurde diese Erkenntnis beim Vergleich mit der "Originalnachricht". Die SchülerInnen erkannten, dass diese Bilder von jeder bzw. jedem Einzelnen unterschiedlich interpretiert bzw. eingeordnet werden und der jeweilige Wissensstand, das Interesse sowie die eigene Meinung dabei eine große Rolle spielen. Die phantasievolle Abweichung vom Original fand bei den SchülerInnen mitunter größere Anerkennung, als die Texte, die der "wirklichen" Nachricht weitestgehend entsprachen. Im Laufe der Unterrichtsstunde entstand bei den SchülerInnen die Frage, wie eine Nachricht ins Fernsehen gelangt. Dieser gingen wir in der folgenden Stunde nach.
Weiterführende Behandlung des Themas
Bei entsprechenden technischen Möglichkeiten (Videoschnittanlage) können die Texte zunächst auf Kassettenrekorder oder Camkorder aufgenommen werden und anschließend als Off-Ton zu den Nachrichtenbildern geschnitten werden. So entsteht eine kleine Nachrichtensendung mit vielen unterschiedlichen Beiträgen zu identischen Bildbeiträgen. Am Ende der Schnittversion sollte der Nachrichtenbeitrag im Originalton zu sehen sein, um die Veränderungen zu verdeutlichen.
Des Weiteren könnten die SchülerInnen ein eigenes kleines Nachrichtenstudio aufbauen und eine komplette Nachrichtensendung erstellen, die mit der Videokamera aufgezeichnet wird.
Literatur
Claudia Mikat u.a. : Medienerziehung in Kindergarten und Grundschule; KoPäd Verlag München 1997
Materialien zur Film- und Fernsehanalyse. Begleitinformationen zum Multimedia-System. AVMZ der Uni Köln und Bundeszentrale für politische Bildung Bonn. Bonn 1992, S. 37-52
Günther Anfang u.a.: Vom Plot zur Premiere; KoPäd Verlag München 1994

2. UNTERRICHTSSTUNDE
Wie entsteht eine Nachricht?
Ziele der Unterrichtsstunde
Die SchülerInnen können
- die Erkenntnis vertiefen, dass Nachrichten und Informationen im Fernsehen ebenso wie fiktionale Beiträge eine gestaltete Wirklichkeit darstellen,
- ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass nicht jedes Geschehen auf der Erde Eingang in die Nachrichten- und Informationsverarbeitung des Fernsehens findet,
- über kommerzielle und politische Interessen bei der Entstehung einer Fernsehnachricht aufgeklärt werden.
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Ablauf
- Gemeinsame Wiederholung der Erkenntnisse der letzten Stunde.
- Vorgeben der Fragestellung "Wie entsteht eigentlich eine Nachricht?"
- Gemeinsam wird ein Tafelbild entwickelt:
| Tafelbild: Der Weg einer Nachricht und deren Finanzierung |
| Geschehen |
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Finanzierung |
| Ereignis 1 |
= erfährt man nicht |
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| Ereignis 2 |
= Korrespondenten des Senders sind vor Ort. Kameraleute und Reporter zeichnen auf |
durch Sender oder Agenturen (dpa/reuters oder selbständige Newsredaktionen) |
| Sender/Redaktion |
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| Öffentlich-rechtlich (ARD & ZDF) |
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durch Rundfunkgebühren und Werbung |
| Privat (Sat.1, ProSieben, RTL, n-tv, vox, Kabel 1 usw.) |
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ausschließlich durch Werbung |
| Digitales Fernsehen (Premiere) |
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durch monatlichen Grundpreis und Werbung |
Das Tafelbild kann mit folgenden Erläuterungen veranschaulicht werden:
- Nicht alle Ereignisse, die sich auf der Welt ereignen, sind in den Nachrichten zu sehen bzw. zu hören. Die Redaktionen der Sender wählen die Meldungen aus, die gesendet werden.
- Auch Informationen und Nachrichten sind eine Ware, für die bezahlt werden muss: Sender bezahlen die Agenturen, die Agenturen ihre Reporter. Die Sender finanzieren sich unterschiedlich: Öffentlich-rechtliche (ARD, ZDF, die Dritten Programme, 3sat, arte, Phoenix, digitale Spartenkanäle) über Gebühren und Werbung und die Privaten (ProSieben, RTL, RTL2, SuperRTL, Sat.1, VOX, DSF, Kabel 1 u. a.) ausschließlich über Werbeeinnahmen.
- Es besteht ein Konkurrenzkampf um Einschaltquoten zwischen den Sendern bzw. Sendergruppen. Bei hoher Einschaltquote steigen die Werbeeinnahmen und damit der Gewinn.
- Jeder Sender will die neuesten, spannendsten Nachrichten zuerst verkünden.
- Ein Korrespondentennetz dient der schnellen und flexiblen Informationsweiterleitung.
- Der Wahrheitsgehalt einer Nachricht kann durch gezieltes Weglassen von wichtigen Informationen manipuliert werden.
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- LehrerIn fasst diese Informationen mit den SchülerInnen gemeinsam zusammen.
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Benötigte Arbeitsmaterialien/Vermittlungshilfen
Flipchart, Folie oder Tafel
Erkenntnisse und Hinweise
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass eine theoretische Stunde in den Klassenstufen 4 und 5 nur nach einer vorangegangenen praktischen Übung sinnvoll ist. Durch die teilweise verblüffenden Unterschiede beim Erstellen von Nachrichten zu denselben Bildern (Unterrichtsstunde 1) entwickelten die meisten SchülerInnen unseres Projektes ein Lernmotiv und persönliches Interesse, sich näher mit diesem Aspekt des Fernsehens zu beschäftigen.
Einzelwissen vorhanden, Überblick fehlt
Den Kindern sind bestimmte Details verschiedener Geschehnisse bekannt, z. B. wo es sich ereignet hat oder wer daran beteiligt war. Sie verfügen mitunter auch über spezielles nachrichtentechnisches Wissen. Unklar bzw. unbekannt ist ihnen jedoch das "System" der Nachrichtenvermittlung. Doch damit haben sicherlich nicht nur die Kinder ein Problem, auch die Erwachsenenwelt vergegenwärtigt sich bei der Informationsaufnahme nicht permanent des Apparats und der Strukturen, die der Produktion von Nachrichten zu Grunde liegen. Deshalb kann nicht davon ausgegangen werden, dass dieses Wissen bei allen Eltern oder Lehrern vorhanden ist.
Die "Ware" Nachricht
Ebenso offen wie die Frage nach dem Inszenierungs- oder Wirklichkeitscharakter von Boulevardsendungen (siehe Unterrichtsstunde 1) blieb die Antwort auf die Frage, ob die Informations- und Nachrichtenproduktion ausschließlich in der von uns beschriebenen Weise funktioniert. Es existieren andere Wege der Informationsweiterleitung (z. B. Internet), und es gibt Beeinflussungs- oder Manipulationsmöglichkeiten durch Politik (Golf-Kriege 1991/1998, Kosovo-Krieg 1999), Wirtschaft (Shell-/Öl-Skandal) und Technik (digitale Bildbearbeitungsprogramme).
Zum Zeitpunkt der Informationsaufnahme können wir die mögliche Beeinflussung oder Manipulation lediglich vermuten. Es bestehen jedoch zusätzliche Quellen zur Informationsbeschaffung und damit auch Möglichkeiten der Informationsüberprüfung. Wichtig ist für die SchülerInnen die Erkenntnis, dass auch Nachrichten eine Ware sind, mit der Geld verdient wird. Ebenso wie in der "normalen" Konsumwelt steht diese Ware in Konkurrenz zu anderen Nachrichten und muss daher aktualisiert und möglicherweise "besonders" sein. Aus diesen Gründen mangelt es Nachrichtensendungen meist an erklärender Vermittlung von Zusammenhängen und hinterlässt bei den Zuschauern das Gefühl, über unzureichendes Hintergrundwissen zu verfügen.
Wenn es gelingt, bei den SchülerInnen einen kritischen Blick auf die Produktion und Vermittlung von Nachrichten zu entwickeln, wenn sie beginnen darüber nachzudenken bzw. Fragen zu stellen, dann sind die wesentlichen Ziele dieser Unterrichtsstunde erreicht.
Weiterführende Behandlung des Themas
Der Besuch der Nachrichtenredaktion eines Radio- bzw. Fernsehsenders wäre für die SchülerInnen eine interessante Fortführung dieser Stunde. Eine Korrespondentin oder Reporterin, egal ob aus Fernsehen, Rundfunk oder Zeitung, in den Unterricht einzuladen, wäre eine sinnvolle Ergänzung der Unterrichtsstunde.
Des Weiteren sollten Mittel und Wege aufgezeigt werden, sich alternativ (bzw. zusätzlich) zu Fernsehnachrichten über Ereignisse und deren Zusammenhänge zu informieren. Beispielsweise durch Info–Radiosender, Wochenzeitschriften, Bücher, Gespräche mit kompetenten Personen, Internet etc.
Literatur
Materialien zur Film- und Fernsehanalyse. Begleitinformationen zum Multimedia-System. AVMZ der Uni Köln und Bundeszentrale für politische Bildung Bonn. Bonn 1992, S.37-52.
Carina Huber: Für Große gemacht, von Kindern gesehen. Wie rezipieren Kinder Nachrichten?. In: tv diskurs, Heft 6 Oktober 1998, S. 102 ff.
Christian Büttner: Bleibt dran Jungs, die ganze Welt hört euch zu. In tv diskurs, Heft 6, Oktober 1998
Brosius, Hans Bernd/Berry Collin: Ein Drei-Faktoren-Modell der Wirkung von Fernsehnachrichten. In Media Perspektiven 9/1990, S. 573-583
Theunert Helga/Schorb, Bernd: Mordsbilder: Kinder und Fernsehinformation. Eine Untersuchung zum Umgang von Kindern mit realen Gewaltdarstellungen in Nachrichten und Reality-TV. Hamburg 1995

3. UNTERRICHTSSTUNDE
Darstellungsmerkmale von Nachrichten
Ziele der Unterrichtsstunde
Die SchülerInnen können
- Darstellungs- und Gestaltungsmerkmale bei Nachrichtensendungen erkennen und unterscheiden,
- sensibilisiert werden, dass diese Darstellungs- und Gestaltungsmerkmale auch inhaltlich von der Information abweichende Botschaften verfolgen können,
- erkennen, dass die Merkmale sich je nach Zielgruppen unterscheiden,
- reflektieren, dass das Vorwissen, die Interessen und die Betroffenheit des/der Einzelnen für die Art und Weise der Informations- und Wissensaufnahme entscheidend sind.
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Ablauf
- LehrerIn stellt Unterrichtsthema vor: "Wie und Warum unterscheiden sich die verschiedenen Sender in der Berichterstattung über dasselbe Ereignis?"
- Mehrmalige Vorführung einer Nachricht über die in vier unterschiedlichen Sendern berichtet wurde: bspw. ARD ("Tagesschau", 20 Uhr), RTL ("RTL–Aktuell", 18:45 Uhr), RTL II ("News", 20 Uhr) und Kinderkanal ("logo", 17:30 Uhr).
- Die Klasse wird in vier Gruppen geteilt.
- Die Gruppen erhalten jeweils einen Streifen des Arbeitsblattes und beschäftigen sich mit einem der 4 Beiträge (Eintragen der Darstellungs-und Gestaltungsmerkmale).
- Der jeweilige Streifen sollte in den Farben des Studios oder des jeweiligen Hintergrundbildes gestaltet werden, um optische Unterschiede der einzelnen Beispiele später besser erkennen zu können.
- SchülerInnen stellen ihre Beispiele vor (Streifen an die Tafel anbringen).
- LehrerIn notiert wesentliche Unterscheidungsmerkmale an der Tafel.
- Gespräch und Diskussion über mögliche Differenzen in der Aussage bei ein und derselben Information.
- Zusammentragen weiterer Faktoren für die Verstehensleistung einer Nachricht wie beispielsweise Vorwissen, Betroffenheit und Interesse.
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Benötigte Arbeitsmaterialien/Vermittlungshilfen
- Fernseher/Videogerät
- Vier Aufnahmen einer Nachricht von privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten.
| Arbeitsblatt: Analyse von Nachrichtensendungen |
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Nachricht 1 |
Nachricht 2 |
Nachricht 3 |
Nachricht 4 |
| 1. |
Beschreibe kurz die farbliche Gestaltung des Studios? |
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| 2. |
Wird der Beitrag anmoderiert?
(ja/nein) |
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| 3. |
Gibt es zu den Bildern des Beitrags einen Kommentar?
(ja/nein) |
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| 4. |
Tonfall des Kommentars:
sachlich
sensations-beladen
den Meldungen entsprechend
emotional oder distanziert |
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| 5. |
Ist dir der/die Sprecher/-in angenehm oder unangenehm?
Warum? |
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| 6. |
Läuft während des Beitrags Musik?
(ja/nein) |
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| 7. |
Zeigen die Bilder
a) genau, was vorgeht oder
b) geben sie nur einen Überblick von der Situation? |
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| 8. |
Was erfahren wir über das Ereignis?
Kurze Beschreibung |
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| 9. |
Länge des Beitrags |
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© by Grün/Kitter FSF 2000
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Erkenntnisse und Hinweise
Die von uns genannten Ziele dieser Unterrichtsstunde erfordern von den Kindern ein sehr hohes Abstraktionsvermögen und sind möglicherweise in der Klassenstufe 4 nicht zu erreichen. Die Erkenntnis der Trennung zwischen Information und Gestaltung bzw. Gestalter stellt das wesentliche Ziel der Stunde dar.
Sollten die SchülerInnen die gezeigte Nachricht bereits kennen bzw. zum jeweiligen Thema Hintergrundinformationen besitzen, kann man ihnen die Gelegenheit geben, ihr Vorwissen den Klassenkameraden mitzuteilen. Das jeweilige Vorwissen und das Interesse an einer Thematik wirken sich positiv auf die Verstehensleistung jeder Information aus.
Vergleichsmöglichkeiten bieten
Wir arbeiteten nur mit zwei Beiträgen ("RTL-Aktuell" und "Tagesschau") und stellten dabei fest, dass die Unterscheidungsmerkmale nicht stark genug ausgeprägt waren, um die Erkenntnisse herauszuarbeiten. Insofern schlagen wir die Bearbeitung vier verschiedener Beiträge vor, da sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten dann klarer erkennen lassen. Die damit verbundene Wiederholung der Information selbst, ermöglicht bei den SchülerInnen eine erhöhte Konzentration auf die Gestaltungs- und Darstellungsmerkmale.
Hierbei sollen die SchülerInnen mit Hilfe des Arbeitsblattes erkennen, dass eine Nachricht von unterschiedlichen Fernsehsendern auf verschiedene Weise präsentiert werden kann.
Die Berichterstattung kann beispielsweise über eine Krisenregion aus der Perspektive der einen oder anderen Bevölkerungsgruppe erfolgen und somit zu einer ganz unterschiedlichen Einschätzung des Grundkonflikts führen. Die Geburt eines Elefantenbabys kann einerseits als Information unter "Sonstiges" erfolgen oder mit reißerischer Musik unterlegt im Nachrichtenüberblick enthalten sein und erhält damit eine wesentlich größere und dramatischere Bedeutung. Bei Gewaltakten steht meistens nur die Beschreibung der Gewalttat im Vordergrund, weniger die Ursachen oder möglichen Hintergründe jenes Ereignisses.
Die Gestaltung fließt in die Meinungsbildung ein
Nachrichten erzeugen Gefühle wie Betroffenheit, Erschrockenheit und Verbundenheit oder setzen Identifikationsprozesse in Gang und können damit ebenfalls die Wahrnehmung des Inhalts verändern. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Sympathie bzw. Antipathie, die man beim Betrachten der Nachricht der Sprecherin gegenüber entwickelt. Mitunter kann man SprecherInnen erleben, die den Eindruck erwecken, sie selbst hätten sich unter persönlichem Einsatz um die Informationen bemüht, um sie anschließend topaktuell zu präsentieren. Dieses Verhalten erschwert oftmals die Trennung zwischen Informant und Nachricht. Auch Musik trägt in entscheidendem Maße dazu bei, die Rezeption eines dargestellten Ereignisses zu beeinflussen. So dient die musikalische Untermalung von Nachrichten der Betonung des Sensationellen und Dramatischen einer Information. Dem Zuschauer wird es in diesem Fall erschwert, Ereignisse und ihre Tragweite ein- und zuzuordnen, da die Informationsaufnahme mit Musik die bereits angesprochene Gefühle wie Erschrecken oder Betroffenheit auslösen.
Eindrucksvolle Bilder verdrängen sachliche Information
Die größte Wirkung erzielten die Bilder. Sehr eindrücklich für die Kinder waren beispielsweise Bilder von verletzten Menschen, umgeben von Rauchwolken und Trümmern eines teilweise eingestürzten Gebäudes. Dass es sich dabei um eine Explosion auf einem Flughafengelände handelte und wie diese verursacht wurde, hatten einige SchülerInnen bereits wenige Minuten später wieder vergessen. Durch die Darstellung einzelner Details wird hauptsächlich die Emotion der Zuschauer/-innen angesprochen, der "rote Faden" des Ereignisses bzw. die damit verbundene Sachlage geht verloren.
Keinem Fernsehzuschauer ist es immer möglich, die genannten Aspekte zur Zeit der Informationsaufnahme bewusst zu reflektieren. Es gilt zu vermitteln, dass auch sachliche Informationen durch Betonung oder Auslassen bestimmter Inhalte oder durch Erzeugung von Gefühlen mittels auffälliger Gestaltungsmerkmale an Objektivität verlieren.
Weiterführende Behandlung des Themas
Alternativ zu den Arbeitsblättern könnte auch mit Folien gearbeitet werden. Die Folienspalten könnten dann ebenso wie in der beschriebenen Stunde mit Farbstiften bemalt werden.
Sollte die Zeit bestehen, an dem Thema weiterzuarbeiten, könnte man sich mit den Kindern auf eine Nachricht einigen, zunächst dazu recherchieren und im Anschluss verschiedene Nachrichtenbeiträge produzieren (mit oder ohne Kamera). Diese sollten sich dann in Aussage und Gestaltung voneinander unterscheiden.
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