Vorüberlegungen
Durch das Fernsehen lernen Kinder meist auch das Medium Film kennen. Durch die Vielzahl der Fernsehanbieter haben die Kinder fast immer die Möglichkeit Spielfilme sehen zu können, die dann oft Gegenstand von Gesprächen in der Schule und ihrer Freizeit sind. Die Kinder sind beeindruckt von bestimmten Geschichten und identifizieren sich mit Hauptpersonen und Helden aus den Spielfilmen. Nicht selten ahmen sie im Spiel bestimmte Szenen nach. Durch die Gespräche und das Spielen mit Gleichaltrigen vergegenwärtigen die Kinder das Gesehene, überprüfen ihre Wahrnehmungen, Urteile und Gefühle und werden sich darüber hinaus bestimmter Geschmacksmerkmale bewusst.
Die kindliche Rezeption ist vorrangig geprägt durch das Erleben eines Films, weniger durch das Verstehen. Ähnlich wie das Lesen muss auch das Verständnis von Fernseh- bzw. Filmbildern erlernt werden. Dieses Verstehen beinhaltet Einsichten in die Funktionsweise von Film und Fernsehen sowie das Erkennen von Inhalten und Botschaften.
Lernziele
Die SchülerInnen werden in der Lerneinheit Filmwissen die Entwicklung vom Einzelbild (der Fotografie) über das bewegte Bild bis hin zum Filmapparat und Fernsehen nachvollziehen. Dabei ist es nicht möglich und auch nicht notwendig, die technische Geschichte des Films der letzten 100 Jahre vorzustellen. Die Kinder sollen vielmehr eine Vorstellung davon erhalten, wie es möglich wurde, mit diesem Medium Realität abzubilden oder zu inszenieren.
1. Unterrichtsstunde
Einen Schwerpunkt der 1. Unterrichtseinheit bildet in diesem Zusammenhang die kindgerechte Vermittlung der Wahrnehmung von bewegten Einzelbildern, da die bewusste Herstellung einer Illusion die Grundlage des Filmgenusses darstellt und gleichzeitig die Funktionsweise des Mediums widerspiegelt.
2. Unterrichtsstunde
In der zweiten Stunde wird der Inszenierungscharakter von filmischer Wirklichkeit deutlich gemacht, indem die SchülerInnen den Ablauf und die notwendigen Arbeitsschritte von Film- und Fernsehproduktion kennen lernen.
3. Unterrichtsstunde
Mittels Kameraperspektiven, Montageformen, Musik und anderen Gestaltungsmitteln (siehe Kästen der 3. Unterrichtsstunde) können Filme bestimmte Inhalte und Botschaften vermitteln. Emotionen und Gefühle werden in bestimmte Richtungen gelenkt. Anhand eines Ausschnitts aus einem Filmbeispiel werden in Stunde 3 einige dieser filmischen Gestaltungsmittel vorgestellt. Die SchülerInnen erlangen damit eine weitere Stufe der bewussten Filmrezeption, aber ebenso erste fachliche Hinweise, wie sie ihr eigenes mediales Produkt eventuell gestalten können.
Bewusste Fernsehrezeption
Möglicherweise sehen die Kinder nach diesen Stunden Filme "mit anderen Augen" und entwickeln neue Kriterien, mit denen sie einen Film als gut oder schlecht, wertvoll oder sinnlos beurteilen. Die Unterrichtsstunden sollen aber keinesfalls den Genuss oder die Begeisterung bei der Film- und Fernsehrezeption verleiden oder gar unterbinden.
Die Vorgehensweise vom Allgemeinen (Wie entstand der Film?) zum Speziellen (Welche Gestaltungsmittel gibt es?) verfolgt dabei die Absicht den SchülerInnen zunächst das Medium selbst darzustellen und in der Folge auf die Möglichkeiten und Auswirkungen hinzuweisen.
Das vorhandene Filmwissen der Kinder sollte unbedingt in den Unterricht eingebunden und eventuell bei der Auswahl des Filmbeispiels berücksichtigt werden.

1. UNTERRICHTSSTUNDE
Wie alles begann
Ziele der Unterrichtsstunde
Die SchülerInnen
- wissen von den historischen Anfängen des Films und dessen technischer und künstlerischer Weiterentwicklung.
- können das Besondere der filmischen Wahrnehmung (Illusion) erkennen und durch eine praktische Übung nachvollziehen.
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Ablauf
- Lehrer/-in verteilt Bastelbogen "Daumenkino".
Beispiel eines "Daumenkinos":
© Hecke FSF 2001
- SchülerInnen schneiden sich die einzelnen Bilder aus.
- SchülerInnen basteln unter Anleitung ihr eigenes Daumenkino.
- Gespräch über das Phänomen der scheinbaren Bewegung der Figuren beim Durchblättern des Daumenkinos.
- Erläuterung des Einzelbildverfahrens, welches beim Film in ebensolcher Weise funktioniert.
- Erläuterung der filmischen Wahrnehmung durch das menschliche Auge.
Filmische/menschliche Wahrnehmung:
Film ist quasi die Aufzeichnung und Wiedergabe einer Serie von Einzelbildern. Der dabei entstehende Eindruck einer kontinuierlichen Bewegung liegt an einem gewissen Defekt des menschlichen Auges, der Nachbildwirkung. Das Gehirn "behält" sich ein Bild länger, als es sichtbar ist. Wenn also Einzelbilder schnell genug (beim Normalfilm sind es 24 Bilder pro Sekunde) projeziert werden, verschmelzen sie im Gehirn zu der Illusion einer Bewegung (vgl. Monaco, James 1995, S. 88 f.).
- Zusammentragen der vorhandenen Kenntnisse über die Anfänge und Entwicklung der Filmgeschichte.
Filmwissen Filmgeschichte:
Der Film ist aus einer Vielzahl von einzelnen Erfindungen entstanden:
- "Camera obscura" (dunkler Raum). Großmutter aller Kameras in der Renaissance. Leonardo Da Vinci berichtet 1558 erstmals darüber. Sie enthielt alle Elemente einer Fotokamera, außer dem Film selbst.
- Ein weiterer Vorläufer war die "laterna magica", die Bilder an eine Leinwand werfen konnte (17. Jhd.)
- 1877 gab es in Frankreich das erste Gerät für die fotografische Aufzeichnung von Bildern mit gleichzeitiger Projektion auf eine Wand, das "Praxinoskop".
- 1889 wurde in Amerika der erste flexible fotografische Film für eine Rollfilmkamera patentiert.
Somit waren die Grundelemente für den Film erfunden.
- Le Prince (Franzose), entwickelte 1889 eine Aufnahmekamera mit einem Objektiv.
- Ebenfalls 1889 fand Thomas Alva Edison (USA) durch ein Experiment die ideale Filmformatgröße von 35mm heraus. Er entwickelte ebenfalls das beidseitig perforierte Filmband, welches mittels Transportsystem (betätigt durch eine Handkurbel) jedes einzelne Filmbild vor das Objektiv transportierte.
- Der deutsche Schausteller Max Skladanowsky konstruierte eine Kamera, mit der er erstmals 1892 Aufnahmen machte.
- 1895 fand die erste öffentliche Filmvorführung der Gebrüder Skladanowsky im Berliner Wintergarten statt.
- 1895 entwickelten die Gebrüder Lumiere (Frankreich) den technisch ausgereifteren "Cinematographen". Erste Vorführung nur wenige Wochen später, Ende 1895.
- Der Tonfilm setzte sich erst 1930/31 durch.
- Der Farbfilm setzte sich erst nach 1945 durch, obwohl es bereits um 1930 erste Entwicklungen gab.
- Um 1960 entstand die Videotechnik. Der Hauptunterschied zum Film besteht darin, dass die Videokamera das Bild elektronisch abtastet und an den Recorder, ausgestattet mit einer Magnetbandkassette, weiterleitet.
- Seit den 1990er Jahren gibt es Kameras, die das Bild digital auf das Magnetband aufzeichnen.
- Die Zukunft der Aufnahme, des Abspielens und der Bearbeitung von Bildern gehört der DVD (Digital Video Disc), die Bildmaterial auf einem digitalem Medium in großen Mengen speichern kann.
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Benötigte Arbeitsmaterialien / Vermittlungshilfen
- Bastelbogen mit Abbildungen für das Daumenkino
- Scheren, Leim
- evtl. belichteter Filmstreifen
- evtl. Folien der Abbildungen zur Filmgeschichte
- Overheadprojektor
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Erkenntnisse und Hinweise
Daumenkino als Blick in die Filmgeschichte
Das Prinzip der Zusammenführung von Einzelbildern, welches die Wahrnehmung einer Bewegung im Film ergibt, wird den SchülerInnen beim selbständigen Anfertigen des Daumenkinos, besonders gut verdeutlicht. So lässt sich ihnen vermitteln, dass die Menschen vor 100 Jahren, in einer Zeit in der es viele Erfindungen technischer Apparate gab, erstmals Geräte herstellten, welche die Aufnahme und das Abspielen (Projektion) von vielen Einzelbildern (Fotos) hintereinander ermöglichte.
Die SchülerInnen sollten beim Basteln des Daumenkinos die Möglichkeit haben, jeweils zwei identische Bilder hintereinander zu kleben, dadurch tritt der Bewegungseffekt um so besser hervor.
Die Geschichte des Films kennen sie nicht
Unseren Erfahrungen nach, bezieht sich das vorhandene Wissen der Kinder zum Thema Film auf spezielle Gebiete und Einzelheiten der Filmherstellung, die sie über das Fernsehen oder von erwachsenen Bezugspersonen erfahren haben. Insofern bietet es sich an, einige historische Fakten, eventuell unterstützt mit Bilmaterial, zu erwähnen.
Weiterführende Behandlung des Themas
Sollte sich in der Nähe ihres Ortes ein Filmmuseum befinden, wäre natürlich ein zusätzlicher Ausflug dorthin zu empfehlen.
Eine weitere anschauliche Möglichkeit wäre das Belichten eines Diafilms. Man fotografiert im Vorfeld dieser Unterrichtseinheit eine Person, die vor der Kamera Turnübungen vollführt. Nach jedem Foto muß sich diese Person demnach ein kleines Stück bewegen. Dafür sollte man einen kompletten 24er Diafilm nutzen. Mittlerweile erhält man nach der Entwicklung sowohl die gerahmten Diabilder als auch einen sogenannten Filmindex. Auf diesem Fotopapier sind sämtliche Bilder im Kleinformat abgebildet und man kann die Bewegung der Person deutlich erkennen. Die Dias können schnellstmöglich über einen Projektor an die Wand projiziert werden und erzeugen damit ebenfalls die angedeutete Illusion einer Bewegung. Solch eine Vorführung erinnert dann an die ersten Filmaufnahmen der Gebrüder Skladanowsky aus Berlin. Diese testeten ihren ersten Filmapparat 1895 mit Turnübungen auf den Dächern des Berliner Stadtbezirks Prenzlauer Berg.
Literatur
Monaco, James: Film verstehen. Hamburg 1995.
G. Anfang u.a.: Vom Plot zur Premiere. München 1994.
Stipp-Hagmann: Fernseh- und Radiowelt im Unterricht, Hrsg.: Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, Villingen Schwenningen 1996.
Bundesverband Jugend und Film e.V. (Hrsg.) - Iris Loos, Jochen Ehmann : Das Trickfilm – Handbuch. Frankfurt am Main 1995.

2. UNTERRICHTSSTUNDE
Von der Idee zur Premiere
Ziele der Unterrichtsstunde
Die SchülerInnen
- erhalten eine Vorstellung von den schöpferischen, zeitlichen, organisatorischen und technischen Arbeitsprozessen, die eine Filmproduktion umfassen, bevor der jeweilige Film zu sehen ist.
- lernen, gemeinsam an einer Filmidee zu arbeiten bzw. diese in wenigen Sätzen schriftlich und nachvollziehbar zu formulieren.
- können erkennen, dass der fertige Film das Ergebnis eines Zusammenwirkens vieler Menschen ist.
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Ablauf
- Brainstorming zu den Abläufen einer Filmproduktion.
- Begriffe der Kinder werden ungeordnet auf einer Tafelhälfte festgehalten.
- Lehrer/-in nennt Fachbegriffe, diese werden zusammen mit den SchülerInnen einer zeitlichen Struktur zugeordnet – dem "Vor", "Während" und "Nach" den Filmdreharbeiten – und in ein Tafelbild eingetragen.
| Tafelbild: Von der Idee zur Premiere |
| Vor den Dreharbeiten |
Idee, Drehbuch, Finanzierung, Auswahl der SchauspielerInnen (Casting), Organisation von Drehorten, Drehplan, Vorbereitungen für Requisite und Ausstattung |
| Während der Dreharbeiten |
Proben (Inszenierung) oder Licht, Aufnahme von Bild und Ton |
| Nach den Dreharbeiten |
Filmlabor, Filmschnitt (Montage), Tonmischung (Musik und Geräusche), Spezialeffekte und Trickaufnahmen sowie die feierliche Premiere, der Vertrieb und Verleih |
© Grün/Kitter FSF 2000
- Pädagog/-in greift ein Beispiel heraus: Die Filmidee.
- Brainstorming in Kleingruppen für eine eigene Filmidee.
- SchülerInnen schreiben ihre Ideen in wenigen Sätzen nieder (Einzelarbeit oder Gruppenarbeit).
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Benötigte Arbeitsmaterialien / Vermittlungshilfen
Anschauungsmaterialien aus den verschieden Bereichen bzw. Phasen der Filmentstehung (beispielsweise die Kopie eines Filmdrehbuchs, Scheinwerfer, Mikrophon, Kamera, Objektiv, Filmklappe, Kostüm oder Ähnliches)
Erkenntnisse und Hinweise
Begriffe ordnen
Bei der Entwicklung des Tafelbildes im ersten Teil der Stunde werden von den Kindern sicherlich nicht immer die Fachbegriffe wie Drehbuch, Casting, Requisite oder Montage genannt. Deshalb werden die Beschreibungen bzw. Bezeichnungen der Kinder zunächst außerhalb des vorbereiteten Teils an die Tafel geschrieben. Anschließend nannten wir die Fachbegriffe und ordneten diese gemeinsam mit den SchülerInnen in das Tafelbild ein. Diese Vorgehensweise half ihnen, die Prozesse und Abläufe, für die sie mitunter mehrere Sätze formulieren mussten, genauer zu bezeichnen.
Kreativität erfordert zunächst pädagogische Zurückhaltung
Bei der Entwicklung einer Filmidee empfiehlt es sich, stets nah an der eigenen Erfahrung und Empfindung zu bleiben. Hat eine Idee einen spürbar unverwechselbaren persönlichen Hintergrund, wird sie von den Zuhörern oder Zuschauern meist angenommen. Bei der Gruppenarbeit kommt es darauf an, die Kreativität aller "unter einen Hut" zu bringen. Ein Brainstorming dient dazu, die Wünsche und Vorstellungen der Gruppenmitglieder zusammenzutragen. Es handelt sich also um ein unverkrampftes, spielerisches, zunächst noch völlig ungefiltertes Sammeln von Erfahrungen, Wünschen und Träumen. Das Gesagte wird in Form einer losen Stichwortsammlung notiert, wobei darauf geachtet werden sollte, dass keine Ideen und Anregungen abgeblockt werden. Der Pädagoge bzw. die Pädagogin sollte sich mit der eigenen Meinung und der erzieherischen Bewertung zurückhalten. Es sollte vielmehr angeregt werden, sich von den gewiss faszinierenden Vorbildern des Profifilms zu lösen und sich eigenen Erfahrungen oder Vorstellungen zuzuwenden.
Diese Ideen der SchülerInnen werden in einem späteren Projektabschnitt wieder aufgegriffen.
Literatur
Monaco, James: Film verstehen. Hamburg 1995.
G. Anfang u.a.: Vom Plot zur Premiere. München 1994.
Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (Hrsg.) - Stipp-Hagmann: Fernseh- und Radiowelt im Unterricht. Villingen Schwenningen 1996.

3. UNTERRICHTSSTUNDE
Gestaltungsmittel im Film
Ziele der Unterrichtsstunde
Die SchülerInnen
- können anhand ihrer eigenen Filmideen und dem verwendeten Filmausschnitt erkennen, dass Gestaltungsmittel im Film bestimmte Botschaften vermitteln, die vom Zuschauer unterschiedlich interpretiert werden.
- lernen filmische Gestaltungsmittel wie Einstellungsgrößen, Kameraperspektiven und Kamerabewegungen sowie Montageformen kennen und können sie bewusst wahrnehmen.
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Ablauf
- Die Filmideen der letzten Stunde werden aufgegriffen.
- Den Kindern wird verdeutlicht, dass es mit Hilfe bestimmter filmischer Gestaltungsmittel gelingt, Szenen so zu inszenieren und nachzubearbeiten, dass sie beim Zuschauer eine beabsichtigte Wirkung erzielen (Arbeitsblatt mit Übersicht für LehrerIn – siehe Kasten).
- SchülerInnen sehen einen Filmausschnitt (z. B. aus "Kevin Allein in New York").
- LehrerIn zeigt mit Hilfe der Einzelbildschaltung oder Zeitlupe eines Videogerätes die Einstellungsgrößen, Kameraperspektiven und -bewegungen oder Montageformen einer Filmszene sowie den Einfluss von Geräuschen und Musik (je nach Szene).
- SchülerInnen entschlüsseln mit PädagogIn die Informationen und Botschaften, die die gezeigten Bilder beinhalten, und beschreiben die unterschiedlichen Gefühle, die diese auslösen können.
Filmische Gestaltungsmittel:
| Einstellungsgrößen |
Die
Totale |
Gibt Informationen über Umgebung, Jahreszeit und beteiligte Persone; dient als Orientierung. |
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Die
Halbtotale |
Zeigt noch die Umgebung, konzentriert sich aber bereits auf bestimmte Objekte oder Personen. |
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Die
Amerikanische |
Meist noch stärkere Focusierung auf Personen (vom Kopf bis zum Oberschenkel (bis zum Colt deshalb "amerikanisch") zu sehen. |
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Die
Naheinstellung |
Verringert Hintergrundinformationen, konzentriert sich auf handelnde Personen (Kopf und Oberkörper zu sehen). |
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Die
Großaufnahme |
Hintergrund fehlt fast völlig; Gestik, Mimik, Gefühl und Aktion der Person werden deutlich. |
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| Kameraperspektiven |
| Vogelperspektive |
Aufnahme von oben; dient entweder der Beobachtung einer Situation, der Blickperspektive einer größeren auf eine kleinere Person oder der erniedrigenden Darstellung eines Menschen. |
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| Normalpespektive |
Aufnahme in Kopfhöhe der Person, die gefilmt wird. |
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| Froschperspektive |
Aufnahme von unten; lässt Personen oder Gebäude mächtiger, größer erscheinen. |
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| Kamerabewegungen |
| Kameraschwenk |
Horizontale oder vertikale Drehung der Kamera (vergleichbar mit dem Kopf), die aber fest auf einem Stativ steht; bei plötzlichem Blickwechsel der handelnden Personen an einem Schauplatz, bei Landschaftsbebilderungen. |
| Kamerafahrt |
Fahrtbewegung der Kamera auf Kran, Auto oder Schienenkonstruktion ("Dolly"); bei der Begleitung eines Gesprächs, das im Laufen stattfindet, bei Verfolgungsjagden oder um Höhenunterschiede mit zu verfolgen. |
| Subjektive Kamera |
Frei von Hand bzw. am Körper getragene Kamera, die in verschiedenen Bewegungsrichtungen geführt wird. Meist eingesetzt, um die subjektive Sichtweise des/der Verfolgers/in oder des/der Verfolgten darzustellen; erzeugt Unruhe und somit auch Spannung. |
| Montageformen |
| Schnitt |
Das Aneinanderfügen (bei der Nachbearbeitung, der Montage) zweier Einstellungen; unterschieden wird zwischen weichem, unsichtbarem Schnitt, der vom Zuschauer fast nicht wahrgenommen wird, und dem harten Schnitt, der bewusst und abrupt einen Blick- bzw. Bildwechsel vollzieht. |
| Parallelmontage |
Bei Dialogen wird häufig zunächst die eine und dann die andere Person in Großaufnahme aufgenommen und der Bild- und Wortwechsel erst nachträglich durch die Montage ("Schuss – Gegenschuss") hergestellt. |
| Überblendung |
Ende der letzten und Anfang der nächsten Einstellung überlappen sich. |
© Grün/Kitter FSF 2000 Fotonachweis: Archiv MZM
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Benötigte Arbeitsmaterialien / Vermittlungshilfe
- Arbeitsblätter
- Schriftliche Aufzeichnungen der SchülerInnen aus der letzten Stunde
- Filmbeispiel
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Erkenntnisse und Hinweise
Das subjektive Auge der Kamera
Entscheidend ist die Erkenntnis, dass die Darstellungen im Film nicht "realistisch" sind. Das Auge des Films ist das Auge der Kamera und somit das einer Person (Kamera und Regie). Das Blickfeld des Kameraobjektivs verfügt gegenüber dem menschlichen Auge über einen deutlich geringeren Radius, andere Darstellungsmöglichkeiten wie z. B. Fokussierung und Zoom sind jedoch ausschließlich der Kamera vorbehalten. Mit der Entscheidung, diese oder jene Einstellungsgröße, Perspektive oder Bewegung mit der Kamera auszuführen, können Informationen und Botschaften sowie Bedeutungen und Gefühle vermittelt werden.
Gestaltungsmittel bewusst eingesetzt unterschiedlich in ihrer Wirkung
So wirkt bspw. eine während eines Dialogs aus der "Froschperspektive" aufgenommene Person auf die meisten Zuschauer übermächtig und beängstigend. Große Unterschiede bestehen jedoch in der Gesamtbewertung der Filmhandlung und den jeweils agierenden Personen, und somit differiert auch die Wirkung eines Films bzw. der jeweiligen Sequenzen.
Mittels eines bei den Kindern bekannten und beliebten Filmbeispiels lassen sich diese Erkenntnisse gut verdeutlichen. Anhand einer Streitsequenz zwischen Mutter und Sohn des Films "Kevin - Allein in New York" haben wir in der von uns durchgeführten Projektstunde Einstellungsgrößen sowie Kameraperspektiven und -bewegungen sowie den gezielten Einsatz von Musik aufgezeigt.
Gedankenaustausch über die Wirkung der Bilder
Wichtiger ist die Diskussion über das, was einzelne Bilder aussagen und auslösen können, und die Erkenntnis, dass jedes Kind eine ganz spezielle Sichtweise auf das Thema einer Geschichte bekommt. Dafür ein bekanntes Filmbeispiel auszuwählen, hat sich auch deshalb bewährt, weil es den Kindern dann leichter fällt, über Gefühle und Empfindungen zu sprechen, die eine Sequenz oder eine Einstellung ausgelöst haben. Sie haben über diesen Film bereits reflektiert, sehen ihn erneut und erkennen schneller, warum etwas welche Wirkung erzielt.
Weiterführende Behandlung des Themas
Die Einstellungsgrößen, Kamerabewegungen und -perspektiven könnten gemeinsam mit den Kindern mit einer Videokamera, die an einem Bildschirm angeschlossen ist, erprobt werden, bspw. ist es möglich, mit der Handkamera ("Subjektive Kamera") ein sitzendes Kind von oben und ein stehendes Kind vom Boden aus zu filmen ("Vogel-" und "Froschperspektive"). Der Klassenverband könnte einmal in der Totalen und ein Kind in einer Naheinstellung gefilmt werden. Kameraschwenks und -bewegungen können ebenfalls gezeigt und von den SchülerInnen selbst ausprobiert werden.
Ein gemeinsamer Kinobesuch mit anschließender Gesprächsrunde über Gestaltungsmittel und deren Wirkung würde den Inhalt der Stunde vertiefen.
Literatur
Monaco, James: Film verstehen. Hamburg 1995.
G. Anfang u.a.: Vom Plot zur Premiere. München 1994.
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