
19.10.2007, 14.45 Uhr, Geschäftsstelle der FSF, Berlin
Hirnforschung oder Sozialwissenschaft: Wer erklärt die Medienwissenschaft?
Bestandesaufnahme und der Versuch eines produktiven Dialogs
Wenn jemand in einer sozialwissenschaftlichen Diskussion mit Ergebnissen der Hirnforschung argumentiert, wirkt das häufig wie ein Totschlagargument: Kann man noch in Frage stellen, was angeblich durch einen Blick ins Gehirn offenkundig wird? Die Gehirnforschung genießt derzeit eine große Aufmerksamkeit. Ob Mutterbindung wichtiger ist als die Erziehung in der Krippe oder im Kindergarten, ob Medien schaden oder nutzen, in welchem Alter was verstanden wird: Die Hirnforschung wird zur Erklärung des Menschen herangezogen.
Gerade in der Medienwirkungsdebatte tritt die Gehirnforschung regelmäßig als Kronzeuge auf. Anhand neurobiologischer Befunde wird zum Beispiel argumentiert, dass Computerspiele für die Gewalt in Schulen mitverantwortlich seien und die schlechten PISA-Ergebnisse ursächlich mit dem hohen Fernsehkonsum zusammenhingen. Jahrelange Untersuchungen der Psychologie, der Pädagogik oder Kommunikationswissenschaft, deren Ergebnisse oft nicht eindeutig oder sogar widersprüchlich sind, verlieren ihre Bedeutung, wenn Hirnforscher am Werk sind.
Ist der Mensch ein kulturelles Wesen oder Sklave seines Gehirns? Wieweit ist das Gehirn durch kulturelle Einflüsse veränderbar? Welche Aussagen können Hirnforscher tatsächlich treffen und auf welcher Grundlage arbeiten sie? Können Ansätze der Hirnforschung und der Sozialwissenschaft im Dialog vielleicht einen neuen Erkenntnisschub hervorbringen?
Die Veranstaltung bot Vertretern der Hirnforschung und der Sozialwissenschaften ein Forum, um ihre unterschiedlichen Standpunkte zu erläutern und zur Diskussion zu stellen.
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Hirnforschung. Ihre Methodik, ihre Chancen und ihre Grenzen
(PDF der Power-Point-Präsentation, 16 MB)
Dr. Hans J. Markowitsch ist Professor für Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld und dort Mitglied des Direktoriums am Zentrum für interdisziplinäre Forschung. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört die Wechselwirkung zwischen Entwicklung, Umwelt und Gehirn, Bewusstsein und Gedächtnis.
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Von Gall zu Cajal!
Kann die Bildgebung des Gehirns unser Verhalten erklären?
Dr. Arno Villringer ist Professor für Neurologie und Leiter des Universitätsklinikums für Neurologie der Charité in Berlin. Er ist Sprecher der Berlin School of Mind and Brain. Zu seinen Arbeitsgebieten gehören Mind and Brain, Bildgebung des Gehirns sowie der Schlaganfall.
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Medienwirkung: Hirnforschung als Totschlagargument
Ein Statement aus Sicht der Psychologie
(PDF der Power-Point-Präsentation, 215 KB)
Dr. Peter Ohler ist Professor für Mediennutzung an der Technischen Universität Chemnitz. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medienpsychologie, Mediensoziologie, Kinder und Medien sowie Evolutionspsychologie.
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Kriminologie und Hirnforschung
Jugendgewalt und Medienwirkung aus kriminologischer Sicht
(PDF der Power-Point-Präsentation, 170 KB)
Dr. Britta Bannenberg ist Professorin für Kriminologie, Strafrecht und Strafverfahrensrecht an der Universität Bielefeld. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Kriminalprävention, Amokläufen, aber auch Korruption und Doping.
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Hirnforschung und Sozialforschung
Der Versuch einer Synthese aus erziehungswissenschaftlicher Sicht
(PDF der Power-Point-Präsentation, 840 KB)
Dr. Matthias Rath ist Professor für Philosophie und Ethik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Er ist im wissenschaftlichen Vorstand des Landesinstituts für Schulentwicklung Baden-Württemberg und Beiratsmitglied des Netzwerks Medienethik. |
Medienberichte über die Veranstaltung
epd medien vom 24.10.2007 (PDF-Datein 111 KB)
WDR 5: Beitrag in Töne – Texte – Bilder vom 28.10.2007 (MP3-Datei, 2,3 MB)
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