Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V.   
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Freiwllige Selbstkontrolle Fernsehen e.v.
Veranstaltungsarchiv 1997–1998
1998 | 1997

11. – 12. Dezember 1998

Qualitätsfernsehen: Qualität mit Quote oder Kulturfernsehen?

Tagung der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg und der FSF mit Unterstützung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg in Potsdam-Babelsberg

In der öffentlichen Diskussion über das Fernsehen und die Fernsehprogramme sind implizite und explizite Wertungen enthalten. Ästhetische Kriterien stehen bei der Bewertung von Programmen im Mittelpunkt. Kritiker und Praktiker legen darauf Wert, wollen sie doch schließlich "gute" Programme produzieren. Schließlich gibt es auch genug Preise zu gewinnen, vom renommierten Grimme-Preis bis zum Deutschen Fernsehpreis.
Die Qualität der Programme und des Fernsehens als Medium erlangte seit der Einführung des dualen Rundfunksystems selbst eine neue Qualität. Das kommerzielle Fernsehen wurde teilweise mit niveaulosem, trivialem Programm gleichgesetzt; das öffentlich-rechtliche Fernsehen durfte dagegen die Fahne des kulturell anspruchsvollen Programms hochhalten. Qualität mit Quote oder Kulturfernsehen waren die scheinbaren Alternativen. Unberücksichtigt blieben dabei häufig die rundfunkpolitischen, ökonomischen, medienpädagogischen und ethischen Kriterien für Fernsehqualität. Diese Rahmenbedingungen und die ihnen zugrunde liegenden Kriterien und Wertungen wurden auf der Tagung diskutiert.
"Qualität ist unendlich relativ", so ein erstes Fazit. Je nach Perspektive – etwa der Filmproduktion oder -kritik, der Literatur- oder Medienwissenschaft, der Pädagogik oder der Ethik – wird die Beschaffenheit eines Programms oder des Mediums anders beurteilt werden. Und: Es ist nicht nur die Qualität im Fernsehen, die die Qualität des Fernsehens ausmacht ...
Die Dokumentation der Tagung erschien im Herbst 1999:
Joachim von Gottberg / Lothar Mikos / Dieter Wiedemann (Hrsg.): Qualitätsfernsehen: Qualität mit Quote oder Kulturfernsehen? VISTAS Verlag Berlin.

 

27. Oktober 1998

Das (all)tägliche Gespräch – Talkshows in der Diskussion

Fachtagung der FSF in Zusammenarbeit mit dem Verband Privater Rundfunk- und Telekommunikation (VPRT) e.V. in Wiesbaden

Der hohen Akzeptanz von Talkshows beim Publikum stehen zahlreiche Kritiker entgegen, die in einigen Themen der Sendungen Tabubrüche sehen. Die FSF hat die Daily Talks über einen längeren Zeitraum beobachtet. Eine Prüfung vor der Ausstrahlung ist angesichts der hohen Zahl der Sendungen und dem kurzen Zeitraum zwischen Produktion und Ausstrahlung bis auf Einzelfälle nicht möglich – abgesehen davon, dass der überwiegende Teil der Talkshows für den Jugendschutz nicht relevant ist.
Dies bestätigt auch eine von der FSF in Auftrag gegebene Studie von Dr. Lothar Mikos, Medienwissenschaftler an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Eine Prüfung aller Daily Talks in einem Zeitraum von drei Monaten im Herbst 1997 ergab ein ähnliches Bild: Das Thema Sex stand mit 7 % im Durchschnitt an fünfter Stelle, Gewalt wurde im Untersuchungszeitraum gar nicht behandelt. Allerdings gab es in der Masse an Sendungen auch einige, die sich an der Grenze des gesetzlich Erlaubten bewegten oder diese sogar überschritten.
Ziel der FSF war es immer, durch Gespräche mit den Redaktionen auf Problemfälle hinzuweisen und diese zu diskutieren. Der VPRT hat deshalb in Zusammenarbeit mit der FSF Verhaltensgrundsätze für Talkshows erarbeitet, die im Sommer 1998 vorgelegt wurden. Darin wurden gemeinsam entwickelte Standards formuliert, die zum Teil über Fragen des Jugendschutzes hinausgingen und als Grundlage für die Produktion künftiger Talkshows dienen sollten.
Anhand der bis Oktober 1998 beobachteten Sendungen wurden auf dieser Tagung Grenzfälle, aber auch gelungene Beiträge vorgeführt und zur Diskussion gestellt. Ziel war es, zwischen Jugendschutz, Politik und den Programmverantwortlichen einen fruchtbaren Diskurs voranzubringen und einen Konsens darüber zu entwickeln, wie kontinuierlich an einer Umsetzung der Verhaltensgrundsätze gearbeitet werden könnte. Darüber hinaus wurde der aktuelle Stand der Forschung über die Rezeption von Daily Talks vorgestellt.

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5. – 6. Juni 1998

Wissenschaftlicher Arbeitskreis "Europäischer Jugendmedienschutz"

Gesprächs- und Arbeitskreis der Arbeitsstelle Friedensforschung Bonn in Zusammenarbeit mit der Deutschen UNESCO-Kommission und FSF in Bonn

Angesichts der Tatsache, dass die Medienentwicklung immer weniger vor nationalen Grenzen haltmacht, erscheint es notwendig, auch den Jugendschutz nicht länger nur auf nationaler Ebene zu organisieren. Allerdings gibt es in den europäischen Ländern in der Umsetzung von Jugendschutzregeln erhebliche Unterschiede. Gesetzliche Grundlagen, Organisationsformen und Kriterien für jugendschutzrelevante Prüfungen gehen weit auseinander: Im Kinobereich sind die Altersstufen sehr unterschiedlich, Filme, die in Frankreich ohne Beschränkungen freigegeben werden, landen in Deutschland auf dem Index.
Wie aber werden die Regelungen im kulturell-historischen Kontext begründet?
Welches Verständnis von Kindheit und Jugend existiert in den verschiedenen europäischen Ländern?
Welche kulturellen Wurzeln bestimmen den Blick auf Kinder und Jugendliche und die Vorstellung darüber, was für sie als gefährdend anzusehen ist?
Um diese interkulturellen Probleme eines europäischen Jugendmedienschutzes anzugehen, hat sich auf Initiative der Arbeitsstelle Friedensforschung Bonn in Zusammenarbeit mit der Deutschen UNESCO-Kommission und der FSF ein internationaler Arbeitskreis gegründet. Erstmals wird versucht, in der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Jugendschutzpraktikern und Behörden das Bild von Kindheit und Jugend in den einzelnen Ländern zu beschreiben, um sich auf diese Weise dem unterschiedlichen Umgang mit dem Jugendschutz zu nähern.

Die Themenschwerpunkte der ersten Zusammenkünfte des Arbeitskreises wurden in einer Publikation dokumentiert:
Christian Büttner, Cor Crans, Joachim von Gottberg, Verena Metze-Mangold (Hrsg.): Jugendmedienschutz in Europa. Gießen: Psychosozial-Verlag 2000.
Eine englische Version erschien ebenfalls 2000 im Psychosozial-Verlag unter dem Titel: "Images sans Frontièrs: Media Safeguards for Young People in Europe"

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22. April 1997

Filmtraum, Fernsehtraum, Alptraum? Kindliche Psyche und emotionale Entwicklung

Tagung in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg und dem Medienpädagogischen Zentrum Zentrum Land Brandenburg (MPZ)

Die Veranstaltung in Potsdam war die erste gemeinsame Tagung der Jugendschutzsachverständigen der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK und den Prüferinnen und Prüfern der FSF. Solche Tagungen werden in regelmäßigen Abständen von den Länderministerien organisiert und dienen zum einen der Fortbildung, zum anderen dem Gedankenaustausch der Prüferinnen und Prüfer.
Die Tagung "Filmtraum – Fernsehtraum – Alptraum?" wurde mit einem Vortrag von Prof. Peter Vitouch, Wien, über Angstverarbeitung als Motiv für das Interesse Jugendlicher an Filmgewalt eingeleitet. Arbeitsgruppen diskutierten an einem Filmbeispiel verschiedene Fragen: Unter der Leitung von Prof. F. Kron, Mainz, wurde die Einordnung von Altersfreigaben vor dem Hintergrund der entwicklungspsychologischen Forschung vorgenommen; Joachim v.Gottberg (FSF) sprach in seiner Arbeitsgruppe über die Jugendschutzbewertungen in den unterschiedlichen Auswertungsschienen; Frau Stracke-Nawka erörterte in ihrer Gruppe die Entscheidungskriterien der Landesmedienanstalten für die Sendezeiten im Fernsehen, und Ministerialrat Herbert Schwanda, Vorsitzender der österreichischen Filmkommission, ging es um die Frage, ob bei den Jugendschutzbewertungen mittelfristig eine gemeinsame Bewertung in Europa möglich sein sollte.
Der zweite Tag stand unter der Fragestellung, ob und wie die Medientechnologie auch in Zukunft Jugendschutz noch möglich machen wird. Unter der Leitung von Petra Müller, Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK, diskutierte eine Arbeitsgruppe von Experten, welche gesetzlichen Jugendschutzbestimmungen geplant sind und wie diese umzusetzen sind. Während die einen auch weiterhin gesetzlichen Jugendschutz für notwendig und möglich hielten, wurden von anderen in der Runde Zweifel daran geäußert, ob die Durchsetzbarkeit realistisch ist. Einigkeit herrschte darüber, dass angesichts der nahezu unkontrollierbaren Online-Diensten Medienkompetenz und Medienpädagogik immer wichtiger werden.

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