11. 12. Dezember 1998
Qualitätsfernsehen: Qualität mit Quote oder Kulturfernsehen?
Tagung der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf"
Potsdam-Babelsberg und der FSF mit Unterstützung der Medienanstalt
Berlin-Brandenburg in Potsdam-Babelsberg
In der öffentlichen Diskussion über das Fernsehen und die Fernsehprogramme
sind implizite und explizite Wertungen enthalten. Ästhetische Kriterien
stehen bei der Bewertung von Programmen im Mittelpunkt. Kritiker
und Praktiker legen darauf Wert, wollen sie doch schließlich "gute"
Programme produzieren. Schließlich gibt es auch genug Preise zu
gewinnen, vom renommierten Grimme-Preis bis zum Deutschen Fernsehpreis.
Die Qualität der Programme und des Fernsehens als Medium erlangte
seit der Einführung des dualen Rundfunksystems selbst eine neue
Qualität. Das kommerzielle Fernsehen wurde teilweise mit niveaulosem,
trivialem Programm gleichgesetzt; das öffentlich-rechtliche Fernsehen
durfte dagegen die Fahne des kulturell anspruchsvollen Programms
hochhalten. Qualität mit Quote oder Kulturfernsehen waren die scheinbaren
Alternativen. Unberücksichtigt blieben dabei häufig die rundfunkpolitischen,
ökonomischen, medienpädagogischen und ethischen Kriterien für Fernsehqualität.
Diese Rahmenbedingungen und die ihnen zugrunde liegenden Kriterien
und Wertungen wurden auf der Tagung diskutiert.
"Qualität ist unendlich relativ", so ein erstes Fazit.
Je nach Perspektive – etwa der Filmproduktion oder -kritik, der
Literatur- oder Medienwissenschaft, der Pädagogik oder der Ethik
– wird die Beschaffenheit eines Programms oder des Mediums anders
beurteilt werden. Und: Es ist nicht nur die Qualität im Fernsehen,
die die Qualität des Fernsehens ausmacht ...
Die Dokumentation der Tagung erschien im Herbst 1999:
Joachim von Gottberg / Lothar Mikos / Dieter Wiedemann (Hrsg.):
Qualitätsfernsehen: Qualität mit Quote oder Kulturfernsehen? VISTAS
Verlag Berlin.
27. Oktober 1998
Das (all)tägliche Gespräch Talkshows in der Diskussion
Fachtagung der FSF in Zusammenarbeit mit dem Verband Privater
Rundfunk- und Telekommunikation (VPRT) e.V. in Wiesbaden
Der hohen Akzeptanz von Talkshows beim Publikum stehen zahlreiche
Kritiker entgegen, die in einigen Themen der Sendungen Tabubrüche
sehen. Die FSF hat die Daily Talks über einen längeren
Zeitraum beobachtet. Eine Prüfung vor der Ausstrahlung ist angesichts
der hohen Zahl der Sendungen und dem kurzen Zeitraum zwischen Produktion
und Ausstrahlung bis auf Einzelfälle nicht möglich abgesehen
davon, dass der überwiegende Teil der Talkshows für den Jugendschutz
nicht relevant ist.
Dies bestätigt auch eine von der FSF in Auftrag gegebene Studie
von Dr. Lothar Mikos, Medienwissenschaftler an der Hochschule für
Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Eine Prüfung aller Daily
Talks in einem Zeitraum von drei Monaten im Herbst 1997 ergab ein
ähnliches Bild: Das Thema Sex stand mit 7 % im Durchschnitt
an fünfter Stelle, Gewalt wurde im Untersuchungszeitraum gar nicht
behandelt. Allerdings gab es in der Masse an Sendungen auch einige,
die sich an der Grenze des gesetzlich Erlaubten bewegten oder diese
sogar überschritten.
Ziel der FSF war es immer, durch Gespräche mit den Redaktionen auf
Problemfälle hinzuweisen und diese zu diskutieren. Der VPRT hat
deshalb in Zusammenarbeit mit der FSF Verhaltensgrundsätze für Talkshows
erarbeitet, die im Sommer 1998 vorgelegt wurden. Darin wurden gemeinsam
entwickelte Standards formuliert, die zum Teil über Fragen des Jugendschutzes
hinausgingen und als Grundlage für die Produktion künftiger Talkshows
dienen sollten.
Anhand der bis Oktober 1998 beobachteten Sendungen wurden auf dieser
Tagung Grenzfälle, aber auch gelungene Beiträge vorgeführt und zur
Diskussion gestellt. Ziel war es, zwischen Jugendschutz, Politik
und den Programmverantwortlichen einen fruchtbaren Diskurs voranzubringen
und einen Konsens darüber zu entwickeln, wie kontinuierlich an einer
Umsetzung der Verhaltensgrundsätze gearbeitet werden könnte.
Darüber hinaus wurde der aktuelle Stand der Forschung über die Rezeption
von Daily Talks vorgestellt.

5. 6. Juni 1998
Wissenschaftlicher Arbeitskreis "Europäischer Jugendmedienschutz"
Gesprächs- und Arbeitskreis der Arbeitsstelle Friedensforschung
Bonn in Zusammenarbeit mit der Deutschen UNESCO-Kommission und FSF
in Bonn
Angesichts der Tatsache, dass die Medienentwicklung immer weniger
vor nationalen Grenzen haltmacht, erscheint es notwendig, auch den
Jugendschutz nicht länger nur auf nationaler Ebene zu organisieren.
Allerdings gibt es in den europäischen Ländern in der Umsetzung
von Jugendschutzregeln erhebliche Unterschiede. Gesetzliche Grundlagen,
Organisationsformen und Kriterien für jugendschutzrelevante Prüfungen
gehen weit auseinander: Im Kinobereich sind die Altersstufen sehr
unterschiedlich, Filme, die in Frankreich ohne Beschränkungen freigegeben
werden, landen in Deutschland auf dem Index.
Wie aber werden die Regelungen im kulturell-historischen Kontext
begründet?
Welches Verständnis von Kindheit und Jugend existiert in den verschiedenen
europäischen Ländern?
Welche kulturellen Wurzeln bestimmen den Blick auf Kinder und Jugendliche
und die Vorstellung darüber, was für sie als gefährdend anzusehen
ist?
Um diese interkulturellen Probleme eines europäischen Jugendmedienschutzes
anzugehen, hat sich auf Initiative der Arbeitsstelle Friedensforschung
Bonn in Zusammenarbeit mit der Deutschen UNESCO-Kommission und der
FSF ein internationaler Arbeitskreis gegründet. Erstmals wird versucht,
in der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Jugendschutzpraktikern
und Behörden das Bild von Kindheit und Jugend in den einzelnen Ländern
zu beschreiben, um sich auf diese Weise dem unterschiedlichen Umgang
mit dem Jugendschutz zu nähern.
Die Themenschwerpunkte der ersten Zusammenkünfte des Arbeitskreises
wurden in einer Publikation dokumentiert:
Christian Büttner, Cor Crans, Joachim von Gottberg, Verena Metze-Mangold
(Hrsg.): Jugendmedienschutz in Europa. Gießen: Psychosozial-Verlag
2000.
Eine englische Version erschien ebenfalls 2000 im Psychosozial-Verlag
unter dem Titel: "Images sans Frontièrs: Media Safeguards
for Young People in Europe"

22. April 1997
Filmtraum, Fernsehtraum, Alptraum? Kindliche
Psyche und emotionale Entwicklung
Tagung in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Selbstkontrolle
der Filmwirtschaft (FSK), dem Ministerium für Bildung, Jugend und
Sport Brandenburg und dem Medienpädagogischen Zentrum Zentrum Land
Brandenburg (MPZ)
Die Veranstaltung in Potsdam war die erste gemeinsame Tagung der
Jugendschutzsachverständigen der Obersten Landesjugendbehörden bei
der FSK und den Prüferinnen und Prüfern der FSF. Solche Tagungen
werden in regelmäßigen Abständen von den Länderministerien organisiert
und dienen zum einen der Fortbildung, zum anderen dem Gedankenaustausch
der Prüferinnen und Prüfer.
Die Tagung "Filmtraum Fernsehtraum Alptraum?"
wurde mit einem Vortrag von Prof. Peter Vitouch, Wien, über Angstverarbeitung
als Motiv für das Interesse Jugendlicher an Filmgewalt eingeleitet.
Arbeitsgruppen diskutierten an einem Filmbeispiel verschiedene Fragen:
Unter der Leitung von Prof. F. Kron, Mainz, wurde die Einordnung
von Altersfreigaben vor dem Hintergrund der entwicklungspsychologischen
Forschung vorgenommen; Joachim v.Gottberg (FSF) sprach in seiner
Arbeitsgruppe über die Jugendschutzbewertungen in den unterschiedlichen
Auswertungsschienen; Frau Stracke-Nawka erörterte in ihrer Gruppe
die Entscheidungskriterien der Landesmedienanstalten für die Sendezeiten
im Fernsehen, und Ministerialrat Herbert Schwanda, Vorsitzender
der österreichischen Filmkommission, ging es um die Frage,
ob bei den Jugendschutzbewertungen mittelfristig eine gemeinsame
Bewertung in Europa möglich sein sollte.
Der zweite Tag stand unter der Fragestellung, ob und wie die Medientechnologie
auch in Zukunft Jugendschutz noch möglich machen wird. Unter der
Leitung von Petra Müller, Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden
bei der FSK, diskutierte eine Arbeitsgruppe von Experten, welche
gesetzlichen Jugendschutzbestimmungen geplant sind und wie diese
umzusetzen sind. Während die einen auch weiterhin gesetzlichen Jugendschutz
für notwendig und möglich hielten, wurden von anderen in der Runde
Zweifel daran geäußert, ob die Durchsetzbarkeit realistisch ist.
Einigkeit herrschte darüber, dass angesichts der nahezu unkontrollierbaren
Online-Diensten Medienkompetenz und Medienpädagogik immer wichtiger
werden.

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