FSF-Jubiläumsveranstaltung am 25. Mai 2004 in Berlin:
Was nutzt die Wissenschaft dem Jugendschutz?
Von
jeher sorgt sich der Jugendschutz um eine positive Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen hin zu eigenständigen und gemeinschaftsfähigen
Persönlichkeiten. Im Medienbereich wird versucht, den Konsum von
Filmen, Computerspielen oder Fernsehsendungen nach bestimmten Altersgruppen
zu regulieren. Doch wie wirken Filme und Computerspiele auf Mädchen
und Jungen? Welche Inhalte sind für sie förderlich, welche können
ihre Entwicklung beeinträchtigen? Ist die Verarbeitungsfähigkeit
von bestimmten Inhalten tatsächlich vom Alter abhängig oder eher
von individuellen Persönlichkeitsstrukturen oder sozialen Erfahrungen?
Die Institutionen des Jugendschutzes haben in mehr als 50 Jahren
eine Spruchpraxis entwickelt, aus der sich plausible Grundannahmen
herauslesen lassen. Die Darstellungen von Gewalt oder Sexualität
werden nicht prinzipiell abgelehnt, sondern im Hinblick auf vermutete
negative Einflussfaktoren überprüft. Dabei wird auf schwer zu verarbeitende
Angst auslösende Momente ebenso geachtet wie auf mögliche Botschaften
der Gewaltbefürwortung oder die Vermittlung eines gesellschaftlich
allgemein nicht akzeptierten Rollenverhaltens.
Die Prüferinnen und Prüfer bei FSK, FSF, USK oder FSM ziehen bei
ihrer Bewertung von Medien und deren Wirkung auf Kinder und Jugendliche
wissenschaftliche Erkenntnisse hinzu. Von besonderer Bedeutung sind
dabei Annahmen aus der Entwicklungspsychologie, der Medienwirkungsforschung
oder der Rezeptionsforschung. Neben der Spruchpraxis des Jugendschutzes
und dem Erfahrungshorizont der Prüfer fließen die Erkenntnisse aus
den hier genannten Wissenschaftsbereichen in die Prüfungen mit ein.
Nun werden die wenigsten wissenschaftlichen Studien speziell unter
Aspekten des Jugendschutzes durchgeführt. Die Wissenschaft trifft
eher allgemeine Aussagen zu Fragen der Medienwirkung. Bei der Formulierung
von Prüfgrundsätzen wird versucht, diese wissenschaftlichen Erkenntnisse
in den Prüfkriterien so zu konkretisieren, dass sie bei der Prüfung
von Filmen, Spielen oder Sendungen direkt anzuwenden sind.
Allerdings nutzt der beste Jugendschutz wenig, wenn die Öffentlichkeit
ihn nicht akzeptiert. Während die Prüferinnen und Prüfer der Jugendschutzinstitutionen
um Differenzierungen bemüht sind, sucht ein Teil der Öffentlichkeit
nach einfachen kausalen Zusammenhängen zwischen realem Verhalten
und medialen Vorgaben und wirft dem Jugendschutz zuweilen vor, nicht
streng genug zu sein. Gleichzeitig beschweren sich andere über eine
Bevormundung durch die Altersbeschränkungen und kritisieren vor
allem die aus Jugendschutzgründen durchgeführten Schnittbearbeitungen
von Filmen.
Wie viel Jugendschutz ist richtig, nach welchen Kriterien soll er
arbeiten? Geht der Jugendschutz von wissenschaftlich vertretbaren
Wirkungsannahmen aus, ist er zu streng oder sollte er mediale Gewaltdarstellungen
großzügiger tolerieren? Diese Fragen wurden zum 10-jährigen Bestehen
der FSF an Wissenschaftler und Praktiker gleichermaßen gestellt.
Einladungstext
(pdf, 232kb)

Referent/-innen
Joachim von Gottberg
(Geschäftsführer der FSF)
Nach 10 Jahren FSF:
Das neue Verhältnis zwischen Selbstkontrolle und staatlicher
Aufsicht
(Text
in tv diskurs 28, 2/2004, PDF-Datei)
|
|
Jürgen Doetz
(Präsident des VPRT)
Warum Selbstkontrolle?
Rückblick und Perspektiven aus Sicht der Mitgliedssender
Download
der Rede (PDF-Datei)
|
|
Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring
(Vorsitzender der KJM)
Das Verhältnis von FSF und KJM
Download
der Rede (PDF-Datei)
|
|
Thomas Krüger
(Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung)
Verbieten oder empfehlen.
Ist der Jugendschutz noch zeitgemäß?
|
|
Andrea Urban
(Leiterin d. Landesstelle Jugendschutz Hannover und
Vorsitzende des FSF-Kuratoriums)
So nah und doch so fern:
Fragen an die Wissenschaft aus Sicht der Praxis
|
|
Prof. Dr. Jo Groebel
(Generaldirektor des Europäischen Medieninstituts Düsseldorf/Paris)
Zu viele Gewaltmodelle für Risikogruppen:
Gewaltdarstellungen haben Wirkungen
(Text
in tv diskurs 28, 2/2004, PDF-Datei)
|
|
Prof. Dr. Dieter Lenzen
(Präsident der Freien Universität Berlin)
Kausalbeziehungen: Fiktion oder Realität?
(Text
in tv diskurs 26, Oktober 2003)
|

|
Prof. Dr. Thomas Macho
(Professor für Kulturgeschichte, Humboldt-Universität zu
Berlin)
Gedeih oder Verderb? Die Bedeutung der Medien in der Kultur
(Text
in tv diskurs 28, 2/2004, PDF-Datei)
|
|
Download der Anwesenheitsliste
ReferentInnen (PDF, 24 kb)

Podiumsdiskussion: Welche Theorie hätten Sie denn gerne? Eine
Roadmap für die Praxis
 |
 |
von links nach rechts:
Prof. Dr. Dieter Lenzen (Freie Universität Berlin)
Prof. Dr. Dieter Dörr (Universität Mainz)
Frau Claudia Mikat (FSF) |
von links nach rechts:
Prof. Dr. Jo Groebel (Europäisches Medieninstitut)
Moderator Prof. Dr. Wolfgang Michaelis (Universität Augsburg)
Frau Christiane von Wahlert (SPIO)
Herr Wolfgang Hahn-Cremer (Landesanstalt für Medien NRW) |

|